„Der nächste Crash wird noch viel schlimmer“

Investmentfonds Top News von Julia Groth

Der Ökonom Roland Leuschel hat den Schwarzen Montag und die Finanzkrise im Jahr 2008 vorhergesagt, nun warnt er vor einem neuen Crash. Mit procontra hat er über den Wert von Langfrist-Prognosen und den richtigen Portfolio-Aufbau gesprochen.

Roland Leuschel gilt als zuverlässiger "Crash-Prophet", seit er im Jahr 1987 den sogenannten Schwarzen Montag vorhergesagt hat. Der Volkswirt und Ex-Bankier publiziert gemeinsam mit dem Kapitalmarktstrategen Claus Vogt den Börsenbrief "Krisensicher Invest

Roland Leuschel gilt als zuverlässiger "Crash-Prophet", seit er im Jahr 1987 den sogenannten Schwarzen Montag vorhergesagt hat. Der Volkswirt und Ex-Bankier publiziert gemeinsam mit dem Kapitalmarktstrategen Claus Vogt den Börsenbrief "Krisensicher Investieren". Foto: Privat

procontra: Vor rund zehn Jahren wurden erste Warnungen vor einer Finanzkrise laut. Sie waren damals einer der Warner – und sollten Recht behalten. Könnte sich eine solche Krise heute wiederholen?

Roland Leuschel: Auf jeden Fall. Ich sehe diese Gefahr sogar ganz akut. Die Finanzkrise in den Jahren 2008 und 2009 wurde im Wesentlichen durch Überschuldung verursacht. Und die Verschuldung von Staaten, Unternehmen und privaten Haushalten ist seitdem sogar noch gestiegen, sowohl in den USA als auch in Europa. Sie hat ein Ausmaß erreicht, das ich mir in meinen wildesten Träumen nicht hätte ausmalen können. Um aber auch etwas Positives zu sagen: Wer in der letzten Krise viel Geld verloren hat, hat jetzt noch die Chance, sich richtig zu positionieren. Denn eins steht für mich fest: Der nächste Crash wird noch viel schlimmer.

procontra: Das ist bestimmt ein großer Trost. Im Ernst: Sehen Sie denn neben der hohen Verschuldung noch andere Warnsignale?

Leuschel: Ein weiteres Krisenzeichen sind die Überbewertungen in vielen Anlageklassen. Sowohl Aktien als auch Renten und Immobilien sind mittlerweile extrem überbewertet. Das sollte Anleger skeptisch werden lassen. Schuld an dieser Spekulationsblase ist vor allem die lockere Geldpolitik der großen Notenbanken.

procontra: Die bemühen sich aber doch seit Jahren darum, die Wirtschaft und die Finanzmärkte zu stabilisieren. Haben sie damit keinen Erfolg?

Leuschel: Eindeutig nicht. Was haben die Notenbanken denn gemacht? Sie haben die Zinsen auf null gesenkt und Geld gedruckt. Damit haben sie einerseits die Sparer enteignet und andererseits der aktuellen Spekulationsblase Vorschub geleistet. Hilfreich würde ich das nicht nennen.

procontra: Warnungen vor einer Krise gibt es seit Jahren, passiert ist bislang nichts. Könnte es sein, dass schlicht keine neue Finanzkrise ansteht?

Leuschel: Der einzige Unterschied zu vor zehn Jahren ist: Damals hat kaum jemand vor einer Krise gewarnt, heute warnen viele. Normalerweise geht man davon aus: Wenn alle vom Crash sprechen, kommt er nicht. Das ist allerdings zu kurz gedacht. Die globalen Schuldenprobleme sind real. Und unser Analysemodell hat gerade ein massives Verkaufssignal für die US-Börse gegeben.

procontra: Sind Sie ein Pessimist?

Leuschel: Im Gegenteil. Es könnte sogar noch schlimmer kommen als ich befürchte. Das lehrt die Erfahrung. Am Schwarzen Montag im Oktober 1987 habe ich einen Vortrag in Brüssel gehalten mit dem Titel „Fasten your Seatbelt“. Ein Korrespondent gab mir mitten in der Veranstaltung die jüngsten Zahlen vom Dow Jones. Ich kann Ihnen versichern: Ich habe den Zahlen zuerst nicht geglaubt, obwohl ich gerade dabei war, vor einem Crash zu warnen. Binnen weniger Stunden waren die Börsenkurse um 20 Prozent gefallen. Das übertraf alles, womit ich gerechnet hatte. Krisen neigen dazu, eine Eigendynamik zu entwickeln. Dann spielen plötzlich Faktoren eine Rolle, die man vorher gar nicht im Blick hatte. Im Zweifel kommt es also eher schlimmer als gedacht.    

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