Der ewige Kampf gegen die Provisions-Killer

Berater Top News von Stefan Terliesner

Seit Jahren wehren sich Vermittler tapfer gegen Deckel und Verbote. Das Schlimmste konnte bisher immer verhindert werden, aber in der Tendenz sinkt die traditionelle Vergütung. Also doch Honorar?

Haben Makler mehr mit William Wallace gemein, als man zunächst denken könnte?

Haben Makler mehr mit William Wallace gemein, als man zunächst denken könnte? Foto: dpa

Versicherungsmakler scheinen im Regulierungsdickicht aus IDD, MiFID II und demnächst wohl LVRG II unterzugehen. Die EU-Vermittlerrichtlinie wird vermutlich erst ab 1. Oktober 2018 scharf gestellt, nachdem bisher der 23. Februar vorgesehen war. Die EU-Kommission will Versicherern und Vertrieben eine Atempause gönnen. Die EU-Finanzinstrumenterichtlinie MiFID II muss von Finanzdienstleistern ab dem 3. Januar angewendet werden.

Und das Lebensversicherungsreformgesetz wird 2018 wahrscheinlich überarbeitet, wie in der Branche kolportiert wird. Seit drei Jahren erschwert es Maklern bereits das Geldverdienen via Abschlussprovisionen. Dem Vernehmen nach soll dies wirksamer geschehen, zumal die Produktanbieter als Ausgleich die Bestandsprovisionen im Durchschnitt erhöht haben.

LVRG II legt den Deckel tiefer

Die aktuelle Fassung des LVRG enthält de facto einen Provisionsdeckel. So dürfen Versicherer in den ersten fünf Jahren der Vertragslaufzeit die Abschlussprovisionen nur in Höhe von 25 Promille der Beitragssumme einer Lebenspolice bilanziell anrechnen. Den Gegenwert kehren die teilweise oder ganz als Provision an Vermittler aus. Vor der Reform lag der Höchstzillmersatz bei 40 Promille.

In Vermittlerkreisen wird derzeit spekuliert, dass der Gesetzgeber den Versicherern Erleichterungen bei der Zinszusatzreserve gewährt, wenn diese im Gegenzug ihre Provisionszahlungen senken. Ob und wann dies Realität wird, hängt auch von der Zusammensetzung zukünftigen Regierung ab. In der privaten Krankenversicherung hat der Gesetzgeber bereits seit dem 1. April 2014 die Provisionen auf neun Monatsbeiträge gedeckelt.

Mythos Freiheitskampf

In der Rückschau war das auch der Tiefpunkt des Regulierungsfrustes. Ohnehin dreht sich fast alles um Provisionen respektive bei Vermittlern mit Kundenmandat um die Courtage. Jahrelang haben Makler und ihre Interessenvertretungen um die aus ihrer Sicht beste Ausgestaltung der drei oben genannten Regelwerke gerungen. Und bisher jedes Mal gelang es ihnen, dass aus ihrer Sicht Schlimmste zu verhindert: ein Provisionsverbot. Zuweilen konnten Beobachter den Eindruck erlangen, als führten ein paar zehntausend Makler einen Freiheitskampf gegen eine Allianz aus Politikern, Bürokraten und Verbraucherschützern, die ihnen mit Gesetzen zu Leibe rückt.  

Doch wie die „Bravehearts“ in dem gleichnamigen Film aus dem Jahr 1995 mit Mel Gibson in der Hauptrolle als William Wallace wehren sich die Makler gegen ihre vermeintliche Unterjochung. Kenner der Geschichte wissen: Ende des 13. Jahrhunderts kämpften weite Teile der schottischen Bevölkerung gegen die Besitzansprüche des englischen Königs. In dem jahrelangen Krieg schenkten sich beide Seiten nichts. Schließlich gewannen die „tapferen Männer“ 1314 gegen die Engländer.  

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