BRSG: Ist die Stunde des Pensionsfonds gekommen?

Versicherungen Top News von Jan F. Wagner

Die Direktversicherung avancierte in den vergangenen Jahren zum beliebtesten Dürchführungsweg in der bAV. Da das neue Sozialpartnermodell Garantien verbietet, könnte ein anderer Weg an Popularität gewinnen - der Pensionsfonds. Wenn es so einfach wäre...

Gewinnt durch das BRSG ein anderer bAV-Durchführungsweg die Oberhand?

Gewinnt durch das BRSG ein anderer bAV-Durchführungsweg die Oberhand? Illustration: Robert Kulon

Es sieht nach einem Befreiungsschlag aus. 15 Jahre nach Einführung des Pensionsfonds könnten nun mehr Unternehmen auf dieses Vehikel setzen, das eine innovative Lösung für Betriebsrenten darstellt. Bislang hat der aktienfreundliche Pensionsfonds ein Schattendasein in der betrieblichen Altersversorgung (bAV) geführt.

Das lag vor allem an zwei Nachteilen. Erstens musste der Arbeitgeber bei Nutzung eines Pensionsfonds einen üppigen Beitrag zur Insolvenzabsicherung leisten, und zweitens konnte sich der Fonds wegen Vorgaben von Rentengarantien in der bAV nicht wirklich entfalten. 2015 hatte der Durchführungsweg einen Marktanteil von knapp sechs Prozent. Mit dem neuen “Betriebsrentenstärkungsgesetz” (BRSG) werden dem Pensionsfonds die Hindernisse aus dem Weg geräumt.

Wenn Unternehmen im Rahmen des sogenannten „Sozialpartnermodells“ auf die Lösung setzen, entfällt ihr Beitrag zur Insolvenzabsicherung, und statt einer Rentengarantie braucht es nur noch einer Beitragszusage vom Arbeitgeber. Zwar soll eine „Zielrente“ für die Beschäftigten vereinbart werden, für deren Nichterreichung muss der Arbeitgeber laut dem Gesetz aber nicht haften. Damit hat der Pensionsfonds viel mehr Spielraum, von steigenden Aktienmärkten zu profitieren.

Diese Flexibilität hatten eine klassische Direktversicherung oder eine Pensionskasse bisher nicht, weil sie in der Regel mit Garantiezinsen gearbeitet haben und damit überwiegend in festverzinsliche Papiere investieren mussten. “Das BRSG dürfte dem Pensionsfonds, der bisher hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist, einem Schub geben”, sagt Klaus Stiefermann, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft für betriebliche Altersversorgung (aba). “Wie groß der Schub sein wird, hängt davon ab, inwieweit die Sozialpartner den Pensionsfonds einsetzen.”  

Andere Kriterien im Fokus

Das allerdings kann niemand so recht abschätzen, weil das BRSG eine unübersichtliche Situation geschaffen hat. Laut dem Gesetz sollen sich die Sozialpartner (Arbeitgeber und Gewerkschaften) ab 2018 auf neue Entgeltumwandlungsmodelle einigen. Dabei soll entschieden werden, mit welchem Vehikel für die Rente gespart wird. Zwar eignet sich ein Pensionsfonds gut für die Umsetzung des BRSG, aber was passiert, wenn das verbundene Investmentrisiko den Beschäftigten nicht passt?

Bislang gab es zwei versicherungsförmige Alternativen zu dem Pensionsfonds, nämlich die Direktversicherung und die Pensionskassen. Unter dem Sozialpartnermodell bieten sie keine Garantien mehr, und insofern müssen die Sozialpartner beim Vergleich auf andere Kriterien schauen wie Investmentstrategie oder Insolvenzsicherung. Beim letzten Punkt ist der Pensionsfonds gegenüber der Direktversicherung im Nachteil.

„Mit dem Wegfall der Insolvenzsicherung durch den Pensionssicherungsverein fehlt dem Pensionsfonds im Rahmen der reinen Beitragszusage jegliche Insolvenzsicherung. Die Direktversicherung ist zumindest noch über den Protektor gesichert“, sagt Benjamin Jahn, bAV-Experte bei der Kanzlei Noerr LLP. Manche Experten wie Michael Hoppstädter, Geschäftsführer des Pensionsberaters Longial, sind dennoch leicht optimistisch und sehen einen Marktanteil für den Pensionsfonds von bis zu 15 Prozent in 2028. Zum Vergleich: 2015 verfügte die Direktversicherung über einen Anteil von 11 Prozent.

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