BdV geht gegen Europ Assistance vor

Versicherungen von Martin Thaler

Die Verbraucherschützer mahnen den Anbeiter von Reiserücktrittsversicherungen ab. Dessen Versicherungsbedingungen entsprächen nicht dem deutschen Standard, so der BdV.

Der BdV (Bild: Vorstandssprecher Axel Kleinlein) mahnt einen Anbieter von Reiserücktrittsversicherungen ab.

Der BdV (Bild: Vorstandssprecher Axel Kleinlein) mahnt einen Anbieter von Reiserücktrittsversicherungen ab. Foto: procontra

Der Bund der Versicherten (BdV) geht gegen einen Reiserücktrittsversicherer vor –  die Europ Assistance S.A. Irish Branch wurde von der Verbraucherschutzorganisation abgemahnt.  

Grund hierfür sind die aus Sicht des BdV problematischen Versicherungsbedingungen, die nach Auffassung der Verbraucherschützer teilweise unwirksam sind. „EU-Versicherer, die ein Versicherungsprodukt ausschließlich für den deutschen Markt konzipieren, müssen ihre Versicherungsbedingungen an deutschem Recht messen lassen“, stellt BdV-Justiziar Heiko Gaußmann klar. Hier lasse die Europ Assistance aber einiges vermissen, beispielsweise bei der Definition des Versicherungsfalls, findet der BdV.  

Ein Beispiel: Während in den gängigen deutschen Versicherungsbedingungen der Reiserücktrittsversicherung eindeutige Ereignisse, wie schwere Unfallverletzungen oder unerwartet schwere Erkrankungen genannt werden, ist bei der Europ Assistance nur von „höherer Gewalt“ die Rede. „Anhand dieser Definition kann der Versicherte nicht einmal im Ansatz erahnen, in welchen Fällen er Leistungen aus der Versicherung bekommt“, so Gaußmann.  

Auch beim Obliegenheitsrecht sieht der BdV Mängel. So erkläre sich die Europ Assistance laut BdV in bestimmten Fällen von grober Fahrlässigkeit für leistungsfrei. Dies verstoße aber gegen das „Alles-oder-Nichts-Programm“, das 2008 abgeschafft wurde.  

Hintergrund: Durch eine Gesetzesnovelle wurde das Versicherungsvertragsgesetz kundenfreundlicher. Während bis 2008 Versicherer bei grob fahrlässigem Verhalten die Leistungen komplett verweigern konnten, können sie mittlerweile die Leistung nur noch kürzen. Wie hoch die Kürzung ausfällt, ist abhängig von der Schwere des Verschuldens.  

„Es ist schon erstaunlich, wie man gegen fundamentale Rechtsprinzipien verstoßen kann, die zugunsten der Verbraucher seit Jahren Standard in Deutschland sind“, erklärte Gaußmann.

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