Abschlagsfrei in Rente: Bei Nachzahlung Fristen beachten!

Berater Recht & Haftung von Michael Fiedler

Beitragslücken in der gesetzlichen Rentenversicherung können durch Nachzahlungen geschlossen werden, um letztlich höhere Rentenzahlungen zu bekommen. Doch dabei müssen Fristen beachtet werden, stellte das Landessozialgericht Baden-Württemberg fest.

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Wer abschlagsfrei mit 63 in Rente gehen will, muss bestimmte Fristen beachten. (Symbolbild) pixabay / stefanschenkon

Wer im Alter von 63 Jahren eine abschlagsfreie Rente bekommen möchte, muss auf 45 Beitragsjahre in der gesetzlichen Rentenversicherung kommen.
Diese Regelung wollte sich ein 1952 geborener Mann zu Nutze machen. Sein Plan: nach einer dreijährigen Phase mit Altersteilzeitregelung wollte er ab 01.09.2015 mit 63 Jahren in Rente gehen. Allerdings war der Mann ein Jahr arbeitslos entrichtete auch keine Beiträge. Denn Arbeitslosengeld bezog der Mann in dieser Zeit nicht, da er eine größere Abfindung von seinem ehemaligen Arbeitgeber erhalten hatte. Um auf 45 Beitragsjahre zu kommen, die ihm den Bezug einer abschlagsfreien Rente erlaubt hätten, wollte der Mann Beiträge für 2006/2007 i.H.v. 4.800 Euro nachzahlen. Das beantragte er 2015 bei der Rentenversicherung. Doch die lehnte die Nachzahlung der freiwilligen Beiträge ab. Dagegen klagte der Mann vor dem Sozialgericht Stuttgart und gewann in der ersten Instanz.

Abschlagsfreie Rente: Fristen beachten!

Dieses Urteil wurde nun vom Landessozialgericht Baden-Württemberg aufgehoben. Nach Auffassung der Richter hat der Kläger keinen Anspruch darauf, nach so langer Zeit freiwillige Beiträge nachzuzahlen und so die Beitragslücke zu schließen. Der Mann hätte seine Beiträge freiwillig bis März 2007 bzw. März 2008 nachzahlen können. Ist die Frist abgelaufen, seien Beiträge nur in besonderen Härtefällen nachträglich zu entrichten.
Ein solcher Härtefall sei im vorliegenden Sachverhalt aber nicht zu erkennen, so die Richter. Der Mann habe nach eigenen Angaben 2007 auf die Entrichtung freiwilliger Beiträge verzichtet, weil er damals davon ausging, dass ihm mit der Beitragslücke keine Nachteile entstehen.
Allein darin wollte das gericht aber keine Härte erkennen. Mit der Nachzahlung habe der Mann nicht warten können, bis die Nachteile einer beitragslücke sichtbar werden oder gar schon eingetreten sind.

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