Wohnimmobilien: Vom Aschenputtel zur Prinzessin

Sachwerte Top News von Stefan Terliesner

Als vor zehn Jahren im Ausland die Immobilienpreisblase platzte, entdeckten Investoren den Charme deutscher Wohnungen. Seitdem steigen hierzulande die Werte und Mieten. Ein Ende ist nicht in Sicht.

Deutsche Wohnungen stehen bei Investoren immer höher im Kurs.

Deutsche Wohnungen stehen bei Investoren immer höher im Kurs. Foto: FixiPixi_deluxe - Pixabay.de

Was für eine Story! Der deutsche Markt für Wohnimmobilien erlebt eine märchenhafte Verwandlung vom ungeliebten Stiefkind zur begehrten Prinzessin. Jahrzehntelang galt er als total langweilig. Die strengen Gesetze zum Schutz der Mieter, die vorsichtige Art der Finanzierung über in der Regel feste Sollzinsen und die vergleichsweise teure Bauweise schreckten Investoren ab.

Sie zogen Märkte wie die USA, Großbritannien oder Spanien vor. Hier ist die Aufsicht lascher, so dass selbst Arbeits- und Mittellose Hypothekenkredite bekommen (USA), russische Oligarchen offenbar leicht ihr Geld waschen können (Großbritannien) oder mit EU-Fördergeld sinnlose Bauvorhaben in den Sand gesetzt werden (Spanien).

Das Absurde daran: Finanziert wurde das irre Immobiliengeschäft im Ausland oft mit deutschen Ersparnissen. Denn die Deutschen investieren relativ wenig im eigenen Land, erst recht nicht in heimische Sachwerte. Stattdessen kaufen sie obskure Zinspapiere, die ihnen Banker aufschwatzen – bisher zumindest. Hans-Werner Sinn, der langjährige Chef des ifo-Instituts und Ökonomie-Professor an der Universität München, hat diesen Zusammenhang oft beschrieben.  

Schlechte Erfahrungen im Ausland  

Dann passierte das Absehbare: Die Immobilienpreisblase in den USA sowie in anderen Ländern wie Spanien platzte. Als Beginn dieser Krise wird der 9. August 2007 festgemacht, denn an diesem Tag stiegen die Zinsen für den Handel mit Finanzinstrumenten zwischen Banken stark an. Der Grund: Die Institute hatten giftige Hypothekenkreditpakete geschnürt, wieder zerstückelt, erneut verpackt und an Ahnungslose in alle Welt verkauft.

Plötzlich kamen Zweifel an der Werthaltigkeit dieser Pakete auf. Der Rest ist bekannt: Die Luft entwich und führte zu hohen Verlusten bei Finanzkonzernen. Aber nur Lehman Brothers ging in die Insolvenz. Irgendwie hatten sich die Geldhäuser darauf verlassen, dass der Staat, sie schon rettet – was auch geschah. Gleichzeitig drückten die Notenbanken mit allen erlaubten – und im Fall der Europäischen Zentralbank (EZB) nach Meinung vieler Ökonomen auch unerlaubten Mitteln – das Zinsniveau in ihren Währungsräumen auf null oder nahe daran.  

Diese Politik hat als sicher geltende Anleihen, aber auch Tages- und Festgeld unattraktiv gemacht – und Hypothekenkredite so billig wie nie. Im Gegenzug haben sich Immobilien in Deutschland zum Liebling der Investoren verwandelt. Die Bundesbürger kaufen für ihre Ersparnisse jetzt lieber eine Eigentumswohnung in einer Universitätsstadt wie Köln oder Münster statt zweifelhafte Zinspapiere unbekannten Ursprungs. Und für die angloamerikanische Finance Community ist Germany heute nicht mehr „boring“, sondern „very solid“. Nach Ausbruch der Krise wurden Produkte „mit stabilen Cashflows, so wie es Wohnimmobilien insbesondere in Deutschland sind, verstärkt gesucht“, skizziert Andreas Schulten, Vorstand beim unabhängigen Analysehaus bulwiengesa, die grundlegend veränderte Lage. Deutschland – ein Hort der Stabilität, so das aktuelle Bild im In- und Ausland.  

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