Wer haftet beim Sturz im Wald?

Berater Recht & Haftung von Martin Thaler

Waldwege sind aufgrund von Löchern und Unebenheiten ein potenzieller Gefahrenherd für Stürze und Unfälle. Doch wer haftet in einem solchen Fall? Der Waldbesitzer? Ein Fall für die Gerichte.

Wer haftet bei einem Sturz im Wald? Ein Fall für die Gerichte.

Wer haftet bei einem Sturz im Wald? Ein Fall für die Gerichte. Foto: jonathansautter - Pixabay.de

Waldspaziergänge bzw. Ausflüge in den Wald allgemein gelten als besonders entspannend: die frische Luft, die einen umgebende Ruhe – viele Deutsche verbringen ihre Freizeit zwischen Fichten und Eichen. Doch was passiert bei einem Unfall? Hat der Waldbesitzer hier eine besondere Verkehrssicherungspflicht? Das hatte nun das Oberlandesgericht Frankfurt am Main zu entscheiden (Az: 13 U 111/17).  

Was war passiert?  

Eine Frau hatte im Frühjahr 2016 eine Radtour durch einen Wald im hessischen Groß-Gerau unternommen. Der Frau war die Strecke, ein nicht für den öffentlichen Verkehr gewidmeter Waldweg, samt seiner Unebenheiten und Löcher durch vorherige Ausflüge wohlbekannt. Trotzdem kam es zu einem Sturz: Die Frau gab an, trotz umsichtiger Fahrweise ein gut 20 Zentimeter tiefes Loch nicht gesehen zu haben. Beim Versuch auszuweichen, geriet sie mit ihrem Fahrrad ins Schleudern und verletzte sich an der Schulter. Daraufhin verklagte sie den Waldbesitzer, das Bundesland Hessen.  

Die Entscheidung  

Nachdem das Landgericht Darmstadt die Klage der Frau abgewiesen hatte, landete der Fall vor dem OLG Frankfurt am Main. Doch auch dieses entschied, dass das Land für den behaupteten Unfall nicht haften müsse.   Waldbesucher müssten sich der waldtypischen Gefahren bewusst sein, stellten die Richter dar. Deshalb sei eine Haftung des Waldbesitzers für derlei Gefahren auszuschließen. Insbesondere sei dies der Fall bei der Nutzung von Waldwegen, die keine öffentlichen Straßen darstellten.  

Als „waldtypisch“ definierte das Gericht dabei Gefahren, die sich aus der Natur oder der ordnungsgemäßen Bewirtschaftung des Waldes ergäben, so das Gericht. Als eine solche waldtypische Gefahr sei das für den Unfall verantwortliche Loch zu werten. Schließlich entspreche es allgemeiner Erfahrung, dass im bewaldeten Gelände Wege durch Wurzelwerk und Auswaschungen infolge von Witterungseinflüssen erhebliche Unebenheiten bis hin zu Löchern aufweisen würden.  

Die Richter legten weiter dar, dass das Land auch bei einer atypischen Gefahr nicht gehaftet hätte. Die Verkehrssicherungspflicht würde nicht dazu dienen, das allgemeine Lebensrisiko auf den Sicherungspflichtigen abzuwälzen, so das OLG. Eine Verletzung der Verkehrssicherungspflicht würde grundsätzlich ausscheiden, wenn die Gefahrenquelle, in diesem Fall das Loch, mit einer „Selbstwarnung“ versehen sei, sprich eindeutig als Risiko zu erkennen gewesen war. Dies sei bei besagtem Loch der Fall gewesen.  

Die Frau zog aufgrund dieses Hinweises ihre Berufung zurück.

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