Rente: Frauen brauchen mehr Vorsorge

Berater Top News von Michael Fiedler

Altersvorsorge: Frauen schneiden wesentlich schlechter ab, als Männer. Wie groß die Vorsorgelücke zwischen den Geschlechtern ist, zeigt eine aktuelle Untersuchung. Bei der betrieblichen Altersversorgung (bAV) ist der Unterschied besonders groß. Doch es gibt auch Hoffnung.

Rente Altersvorsorge Gesetzliche Rentenversicherung bAV Frauen

Altersvorsorge für Frauen gestaltet sich schwierig. Mit welchem Faden am sozialen Netz gestrickt werden sollte. Fotolia / silentalex88

Dass insbesondere Frauen bei der Altersvorsorge Nachholbedarf haben, stellte bereits der Gleichstellungsbericht der Bundesregierung im Sommer 2017 fest. Noch genauere Zahlen liefert der aktuelle Report des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung.

Für die Auswertung wurden Einkommen von Rentnerinnen und Rentnern verglichen. Rechnet man die Einkünfte aus gesetzlicher Rente (GRV), Betriebsrente (bAV) und privater Altersvorsorge zusammen, ergibt sich für 2015 eine Vorsorgelücke („Gender Pension Gap“) von 53 Prozent. Oder anders formuliert: Männer verfügen im Schnitt über mehr als doppelt so hohe Alterssicherungseinkommen wie Frauen.

Dabei ist der Unterschied in den westlichen Bundesländern (58 Prozent) deutlich größer als in den östlichen (28 Prozent). Im europäischen Vergleich bedeutet das einen traurigen Spitzenplatz – nur in Luxemburg sind die Unterschiede zwischen Frauen und Männern bei den Alterseinkünften geringfügig höher.

GRV, bAV, Privat: Wo die Unterschiede am größten sind

Die Auswertung betrachtet die Einkünfte aus allen drei Säulen der Altersvorsorge (GRV, bAV und private Vorsorge). So beträgt der Unterschied zwischen den Einkünften von Frauen und Männern in der gesetzlichen Rentenversicherung 45 Prozent. Dieser Unterschied ergibt sich aus der Differenz der durchschnittlichen Rentenbezüge. So erhielten Männer im Betrachtungszeitraum 2015 durchschnittlich 1.154 Euro Rente. Bei Frauen waren es gerademal 634 Euro. Die Forscher des WSI heben allerdings positiv hervor, dass z.B. Kindererziehungszeiten bei der Berechnung der Rentenansprüche berücksichtigt werden.

Noch größer ist die Kluft zwischen Frauen und Männern bei der betrieblichen Altersversorgung: Männer erhielten 2015 im Durchschnitt 593 Euro aus ihren bAV-Verträgen – 60 Prozent mehr als die Bezüge der Frauen. Sie kamen auf 240 Euro. Verschärft wird das Problem durch die geringe Verbreitung der bAV. So bezogen im Erhebungsjahr 26 Prozent der männlichen Rentner Leistungen aus der betrieblichen Vorsorge. Aber nur knapp 7 Prozent der Rentnerinnen.

Was die Verbreitung betrifft, ist die private Vorsorge noch schlechter aufgestellt. So beziehen laut WSI-Studie 5 Prozent der Männer und nur 2 Prozent der Frauen laufende Leistungen aus der privaten Altersvorsorge. Auch hier erhielten Frauen geringere Auszahlungen (311 Euro) als Männer (485 Euro).

WSI: Gesetzliche Rente stärken!

Auch zu den Ursachen äußert sich das WIP: „Berufstätige Frauen nehmen häufiger Auszeiten für die Kindererziehung oder Pflege von Angehörigen, arbeiten öfter in Teilzeit, werden im Schnitt schlechter bezahlt – und erwerben dementsprechend weniger Rentenansprüche.“ Dennoch sehen die Forscher in der Stärkung der gesetzlichen Rente einen wichtigen Ansatz. Denn viele Frauen hätten keine oder nur niedrige Einkünfte aus zusätzlicher Vorsorge (bAV oder Privat). „Gerade für Frauen gilt, dass sie Rentenverluste bei der ersten Säule, der gesetzlichen Rente, kaum anderweitig kompensieren könnten“, sagt WSI-Expertin Christina Klenner.

Grund zur Hoffnung?

Die Situation für Frauen wird nur langsam besser. Dadurch, dass immer mehr Frauen erwerbstätig sind und Sorgearbeit mittlerweile zum Teil bei der Rente anerkannt wird, sinkt der Abstand zu den Alterseinkommen der Männer teilweise. Doch auch aus der anderen Richtung gibt es Annäherung: Denn die Alterseinkünfte von Männern nehmen tendenziell ab.

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare