Lebensversicherung: Was passiert, wenn die Zinsen wieder steigen?

Versicherungen von Michael Fiedler

Wie könnten sich steigende Zinsen auf Lebensversicherer auswirken, die keine fondsgebundenen Produkte haben und auf neue Garantiemodelle gesetzt haben? Wie Versicherer das Stornorisiko mindern können.

Niedrigzinsen EZB Risiko Lebensversicherung Storno

Könnten steigende Zinsen zu einer Stornowelle führen? Fotolia / Voyagerix

Der Niedrigzins hat Anbieter von Lebensversicherungen gezwungen, niedrigere Garantien anzubieten. Doch was passiert, wenn die Zinsen wieder steigen? Immerhin kündigte die Europäische Zentral Bank (EZB) eine vorsichtige Wende in der Geldpolitik an. Wie bereits im Oktober angekündigt, wird die EZB ihr Aufkaufvolumen für Anleihen ab 2018 deutlich reduzieren. Ab Januar 2018 sollen „nur noch“ 30 Mrd. Euro monatlich für den Ankauf von Staatsanleihen ausgegeben werden. Hieße: Frühestens im September 2018 würde das Aufkaufprogramm auslaufen. Die EZB behält sich weiterhin vor, das Programm auszuweiten oder zu verlängern, wenn die Währungshüter es für nötig halten.

Steigende Zinsen: Wie reagieren die Kunden?

In der aktuellen Sigma-Studie von Swiss Re wird Versicherern geraten, sich auf das Risiko steigender Zinsen vorzubereiten. Die zentrale Frage laute, wie sich Versicherte mit nicht fondsgebundenen Versicherungen verhalten, wenn die Zinsen ansteigen. So könnten Versicherungsnehmer, die kapitalbildende Verträge mit niedrigen Garantiezinsen haben, ihre Policen gegen besser verzinste Verträge wechseln. Für die Versicherer mehr als nur ein Problem: Denn zum einen wären sie nicht in der Lage, die Produktionskosten für kürzlich gezeichnete Policen aufzufangen, so Swiss Re. Zum anderen müssten auch die zur Unterstützung der bestehenden Verbindlichkeiten bestimmten festverzinslichen Anlagen mit Verlust veräußert werden. Denn steigen die Zinsen, sinken deren Werte.

Storno verhindern: Markt- statt Buchwert anbieten

Der Rückversicherer gibt in der sigma-Studie auch Hinweise darauf, wie Versicherer Storni verhindern könnten. So heißt es in der Studie: „Durch das Anbieten des Marktwerts der Police anstatt ihres Buchwerts zum Zeitpunkt des Rückkaufs kann zudem das Risiko einer Stornierung durch den Versicherungsnehmer und damit verbundener Schäden für den Versicherer minimiert werden.“
Auch im Bereich der Risikoprodukte – z.B. der Risikolebensversicherung – könnten Versicherte ihre Bestandspolicen kündigen wollen, um neue, günstigere Verträge zu bekommen. Doch hier könnten die Vorteile höherer Zinsen schnell aufgewogen sein. Denn je älter der Versicherungsnehmer ist, desto höher fallen die Mehrkosten aus, um das entsprechende Todesfallrisiko abzusichern. Dementsprechend geht die Studie davon aus, dass eher weniger Kunden ihre Risikopolicen kündigen würden.

„Stornierungswellen dürften für die Lebensversicherer nur dann zu einem größeren Problem werden, wenn die Zinsen schnell steigen“, schlussfolgert die Studie. Bleibt es bei einem sukzessiven Zinsanstieg, wie ihn die EZB angekündigt hat, gibt es für Verbraucher nicht viel Anreiz, die Policen zu wechseln. Die Stornoentscheidungen der Verbraucher würden eber von Faktoren wie dem persönlichen Liquiditätsbedarf beeinflusst, so die sigma-Studie von Swiss Re.

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare