„Hersteller sollten in anderen Produktzyklen denken“

Versicherungen Top News von Carla Fritz

Immer mehr Versicherer greifen das Thema Smarthome auf. Welche Entwicklungen hier in den kommenden Jahr zu erwarten sind und wie das Thema Cybersicherheit von den Versicherern berücksichtigt werden muss, darüber sprach procontra mit Oliver Hauner, Leiter Sachversicherung beim GDV.

Oliver Hauner, Leiter Sachversicherung beim GDV.

Oliver Hauner, Leiter Sachversicherung beim GDV. Foto: GDV

procontra: Smart Home und Versicherung. Ein Paar, das sich erst noch finden muss oder schon gefunden hat?

Oliver Hauner: Hier bewegen sich zwei Techniken aufeinander zu – die etablierte Versicherungstechnik und die Digitalisierung der Haushalte. Eine klassische Findungsphase. Die Versicherer verfolgen dabei einen Pfad, der unter anderem Prävention heißt. In einigen Bereichen nutzt man Smart-Home-Technik aber auch zur möglichst frühzeitigen Detektion von Schäden – etwa durch Rauchmelder oder Feuchtesensoren. Bei Einbruch, Feuer und Leitungswasser lässt sie sich intelligent einsetzen. Und in der Kombination mit einer Hausrat- oder Wohngebäudeversicherung können so attraktive neue Angebote entstehen.

procontra: Technik, die begeistert, aber in puncto Cybersicherheit bekanntlich offene Flanken hat.

Hauner: Abseits der Einsatzmöglichkeiten halte ich die Angreifbarkeit solcher Systeme für den kritischsten Punkt. Das bedeutet: Wenn wir als Versicherer das Risiko des Kunden minimieren wollen, dann brauchen wir auch Geräte, die diesen Anspruch technisch erfüllen. Daraus ergibt sich die zentrale Frage: Welche Basisanforderungen muss man an die Cybersicherheit solcher Geräte stellen? Dazu haben wir uns als Verband bereits positioniert.

procontra: So gesehen, woran führt denn kein Weg vorbei?

Hauner: Das Wichtigste ist eine kontinuierliche Produktbeobachtung durch den Hersteller. Und damit verbunden ein Support, der regelmäßige Sicherheitsupdates beinhaltet und einen klar umrissenen Supportzeitraum hat. Alle Beteiligten brauchen Klarheit darüber, wie lange sie ein Smart-Home-Gerät sicher einsetzen können. Unterm Strich erwarten wir von den Herstellern eine verantwortungsbewusste Produktphilosophie.

Procontra: Konkret, worauf wollen Sie hinaus?

Hauner: Schauen Sie, die durchschnittliche Haltedauer einer Wohngebäudeversicherung liegt jenseits von zehn Jahren. Ich bin der festen Überzeugung, dass vor diesem Hintergrund vermutlich kein Kunde bereit ist, alle zwei oder drei Jahre die Smart-Home-Technik seines Hauses zu erneuern, nur weil der Support für eine bestimmte Gerätekategorie endet. Das gilt umso mehr, wenn Technikkomponenten wie etwa Sensoren fest eingebaut werden. In einem solchen Umfeld sollten auch die Hersteller von Smart-Home-Systemen beginnen, in anderen Produktzyklen zu denken.

procontra: Wo sehen Sie uns in den nächsten zehn Jahren beim Smart Home?

Hauner: Hier hilft ein Rückblick auf die vergangene Dekade. Vieles hat sich technisch überholt. Geblieben ist Werthaltiges, was die Anwender tatsächlich weitergebracht hat. Deshalb: Der Kunde wird am Ende solche Smart-Home-Lösungen nachfragen, und an der Stelle auch tatsächlich investieren, sofern sie klare Vorteile in Bezug auf Sicherheit bringen. Da gibt es sicherlich für die Masse der Kunden einen „Sweet Spot“, das heißt einen Punkt, an dem Preis, Leistung und Sinnhaftigkeit zusammentreffen. Hier hat sich der Markt noch nicht gefunden.

procontra: Woran würden Sie diesen Befund denn augenscheinlich festmachen?

Hauner: Im Moment etwa setzen viele Hersteller sehr stark auf das Thema Komfort. Sinnvolle Entwicklungen im Bereich Sicherheit kommen noch zu kurz. Dafür benötigt man Systeme, die von Beginn an technisch breiter angelegt sind. Da stehen wir noch am Anfang.

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