„Dienstleister dürfen ihre Vergütung frei wählen“

Berater Top News von Stefan Terliesner

Über zu wenig Arbeit dürfte sich IGVM-Vorsitzender Wilfried E. Simon in diesem Jahr wahrlich nicht beschweren können. Mit procontra sprach er über die zurückliegende IDD-Umsetzung und die Vergütungssituation der Makler heute.

Sprach mit procontra über die Vergütungssituation der Makler: Wilfried E. Simon, Vorstandsvorsitzender der Interessengemeinschaft Deutscher Versicherungsmakler.

Sprach mit procontra über die Vergütungssituation der Makler: Wilfried E. Simon, Vorstandsvorsitzender der Interessengemeinschaft Deutscher Versicherungsmakler. Foto: IGVM

procontra: Als Lobbyist für Makler hatten Sie in den vergangenen Jahren viel zu tun, oder?  

Simon: Das ist richtig, irgendwie müssen die Akteure in Brüssel und Berlin ihre Daseinsberechtigung ja nach außen darstellen. Die Regulierungen waren in vielen Bereichen sicher überfällig, aber in einigen Teilen mangelt es an der Praxistauglichkeit. Bei der IDD-Umsetzung war dies besonders deutlich zu spüren. Obwohl die EU-Richtlinie nach den Aussagen vieler Politiker eins zu eins umgesetzt werden sollte, waren die Entwürfe weit davon entfernt und hätte faktisch die Abschaffung des unabhängigen Versicherungsmaklers im Privatkundengeschäft bedeutet, weil dieser nach den Entwürfen nur noch hätte Courtagen von Versicherern annehmen dürfen.  

procontra: Honorar spielt bisher primär im Firmenkundengeschäft eine Rolle. Wie konnte das Honorarannahmeverbot noch abgewendet werden?  

Simon: Dienstleistern dürfen nach Artikel 12 Grundgesetz ihre Vergütung frei vereinbaren. Dies hat Prof. Dr. Hans-Peter Schwintowski in seiner gutachterlichen Stellungnahme zur IDD klargestellt und elementare Verfassungsverstöße aufgedeckt und gerügt. Nicht alles kann und ist mit der Courtage durch den Versicherer abgegolten. Erwartet der Mandant eine umfangreiche Beratung und Service, muss er bereit sein, diesen besonders zu honorieren.  

procontra: Einige Beobachter halten etliche Makler für „Courtagejäger“. Täuscht der Eindruck?  

Simon: Schwarze Schafe gibt es in jeder Brache. Der seriöse unabhängige Versicherungsmakler wird stets das Wohl seines Mandanten im Fokus haben und danach bedarfsgerechte Tarife und Versicherer aussuchen und empfehlen. Dabei steht die Höhe der Courtage an letzter Stelle.  

procontra: Welche Regularien schränken die Einnahmen von Makler besonders stark ein?  

Simon: Die Deckelung der Courtagen für die substitutive Krankenversicherung dürfte für 95 Prozent aller unabhängigen Versicherungsmakler kein Nachteil gewesen sein. Anders verhält es sich hingegen mit der Verlängerung der Stornohaftungszeit von einem auf fünf Jahre. Courtagevorschüsse stehen also - mit wenigen Ausnahmen - unter dem Vorbehalt der Rückforderung. Das hat negative Auswirkungen bei der Rechtsnachfolge oder bei Bestandsübertragungen.  

procontra: Dennoch zeigt eine Umfrage große Zuversicht bei Maklern. Wie passt das zusammen?  

Simon: Das ist wohl von vorsichtigem Optimismus begleitet und hängt maßgeblich von der zukünftigen Entwicklung der gesetzlichen Rahmenbedingungen ab. 2018 steht die Evaluierung des LVRG an und Experten schließen nicht aus, dass die Politik die Kürzung der Abschlusscourtagen verordnet.  

procontra: Vielleicht sind viele Vermittler einfach nur erleichtert. Immerhin gibt es immer noch kein Courtageverbot. Rechnen Sie noch damit?  

Simon: Bei der Regulierungswut in Brüssel und Berlin würde ich nichts ausschließen, obwohl ein Courtageannahmeverbot zurzeit unwahrscheinlich scheint. Wir plädieren für das österreichische Modell. Dort kann ein Mandant frei wählen, ob er gegen Courtage oder Honorar beraten werden möchte. Das Maklergesetz macht´s möglich. Wir haben es mit mündigen Bürgern zu tun, die selbst entscheiden können, auf welcher Basis sie qualifizierte Dienstleistungen vergüten wollen.

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