Wird Smart-Data zur Bedrohung für den Makler?

Berater Top News von Stefan Terliesner

Versicherer errichten für die passgenaue Bedienung der Kundenbedürfnisse spezielle Data-Analytics-Einheiten. Für Makler, deren Kernkompetenz die Ermittlung von Bedürfnissen und der Vermittlung passender Produkte liegt, könnte es künftig eng werden.

Kann Smart Data für den Makler zur Gefahr werden?

Kann Smart Data für den Makler zur Gefahr werden? Foto: Pixabay.de

„Bei uns stehen die Kunden mit ihren Bedürfnissen im Mittelpunkt.“ So oder ähnlich ist dieser Satz vermutlich auf jeder Vertriebsveranstaltung zu hören. Oft klingt er hohl und abgedroschen. Ein Ausschließlichkeitsvertreter ist in der Regel allein aufgrund seines schmalen Produktangebots nicht in der Lage, einen Bedarf passgenau zu bedienen. Makler sind hier in einer besseren Position.

Doch was wäre, wenn ein Versicherer dank digitaler Technologie die Wünsche eines Kunden beziehungsweise einer relativ homogenen Kundengruppe nicht nur genau kennt, sondern auch ein maßgeschneidertes Produkt quasi aus der Schublade zieht? Dann könnten Maklern unter Druck geraten. Das Stichwort dazu lautet Smart Data. Denn aus „intelligenten Daten“ lassen sich maßgeschneiderte Finanz- und Absicherungsprodukte kreieren. Beispiele dafür gibt es bereits.

Zahlreiche weitere Angebote dürften in den kommenden Jahren folgen. Die Folge: Im Vertrieb bleibt möglicherweise kein Stein mehr auf dem anderen. Es ist kein Zufall, dass mehrere großer Versicherer in den vergangenen Monaten neue Abteilungen rund um die Analyse von Kundendaten ins Leben gerufen haben, teilweise sogar in Vorstands-Verantwortung. Smart Data ist total angesagt.

Doch was bedeutet der Begriff eigentlich? Martin Schmidt-Schön, Country Functional Head Digital bei Generali Deutschland, versteht darunter Daten, „mit denen wir unseren Kunden neue, intelligente Produkte und Services anbieten.“ Auch Alexander Bernert, Head of Retail Market Management bei der Zurich Gruppe Deutschland verweist auf die Bedeutung der Kundenanalytik: „Durch die Verwendung dieser Daten können wir frühzeitig Bedürfnisse und Trends erkennen, hieraus Zielkundengruppen ableiten und so relevante Daten zum Beispiel für den Vertrieb oder die Produktentwicklung zur Verfügung stellen.“ Prägnanter formuliert es Mark Klein, Chief Digital Officer der ERGO Group: „Durch die Digitalisierung können wir unsere Kunden besser verstehen als je zuvor.“ 

Und täglich wächst der Datenberg  

Um Smart Data richtig zu durchdringen, muss man weit ausholen. Zunächst einmal produziert jeder Bürger große Mengen an Daten: sei es am Arbeitsplatz, beim Shoppen oder beim Twittern, sei es via Smartphone, Smartwatch oder Computer. Dabei handelt es sich um Texte, Bilder, Einkaufshistorien oder Einwahldaten in Webservern oder Mobiltelefonen. Wer zum Beispiel im Internet nach Produkten sucht und sie anschließend über einen Online-Versandhändler bestellt, hinterlässt eine Datenspur, die dem jeweiligen Endgerät zugordnet werden kann.

Das ist zunächst nichts anderes als ein Berg an Bits und Bytes. Von Apps, die in Echtzeit Informationen zu Bus- und Bahnfahrten bieten bis zu Sportarmbänder, die die Schritte zählen – all diese Applikationen vergrößern das Datenvolumen. Der International Data Corporation zufolge verdoppelt sich dieser Big Data-Mountain alle zwei Jahre und erreicht 2020 ein Volumen von 44 Zettabyte. Ein Zettabyte ist eine Eins mit 21 Nullen. 21!  

Fast alle diese Informationen lassen sich nicht nutzen. Sie sind nur vorhanden, wie ein Rohstoff, der erst aufbereitet, strukturiert und in Datenbanken gespeichert werden muss. Die Veredelung erfolgt mit semantischen Technologien. Dabei versetzen selbstlernende Algorithmen Computer in die Lage, Daten nicht nur zu speichern und wieder zu finden, sondern sie ihrer Bedeutung nach auszuwerten, zu Neuem zu verknüpfen und so flexibel und zielgerichtet nützliche Leistungen zu erbringen. Erst nach dieser Aufbereitung liegen intelligente Daten vor. Aus ihnen lassen sich Kundenbedürfnisse ableiten, die dann gezielt bedient werden können.

Seite 1: Smart Data ist angesagt
Seite 2: "Alexa, ich brauche eine Police"
Seite 3: Makler dürfen mitmachen

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare