Was in der Tierhalterhaftpflicht stehen sollte

Berater Top News von Martin Thaler

Ein Urteil zur Tierhalterhaftpflicht des OLG Nürnberg ließ jüngst zahlreiche Pferdehalter aufhorchen. Worauf sie beim Abschluss einer Tierhalterhaftpflichtversicherung achten sollten, um böse Überraschungen zu vermeiden, erklärt Makler Dennis Keller im procontra-Interview.

Kennt sich wie kaum ein zweiter mit Tierversicherungen aus: Makler Dennis Keller.

Kennt sich wie kaum ein Zweiter mit Tierversicherungen aus: Makler Dennis Keller. Foto: procontra

Ein Urteil des Oberlandesgerichts Nürnberg sorgte zuletzt für Aufregung. Die Nürnberger Richter hatten sich mit dem Fall einer verunglückten Reitbeteiligung zu befassen. Diese war bei einem Ausritt verunglückt - mit schwerwiegenden Folgen. Bei einem Sturz zog sich die Frau eine Querschnittslähmung zu. Vor Gericht ging es dann um die Frage, wer für die hohen Kosten aufzukommen hatte. Das Urteil des OLG Nürnberg dürfte dabei ein herber Schlag für die Pferdebesitzerin gewesen sein - schließlich muss sie zum einem großen Teil für die medizinischen Behandlungskosten aufkommen. Worauf Pferdebesitzer beim Abschluss einer Tierhalterhaftpflicht achten müssen, um solch einen Fall zu vermeinden, erklärte uns im Gespräch Versicherungsmakler Dennis Keller.

 

procontra: Was sollten Pferdebesitzer, die das Pferd ab und an einer Reitbeteiligung überlassen, beim Abschluss einer Tierhalterhaftpflichtversicherung beachten?    

Dennis Keller: Auf jeden Fall, dass die Ansprüche der Reitbeteiligung gegen den Pferdehalter mit abgedeckt sind. Damit der „Sack richtig zu ist“, sollten zudem die in § 116 SGB X geregelten Ansprüche der Sozialversicherungsträger, die privater Krankenversicherungen sowie sonstiger Dritter und Arbeitgeber genannt sein.    

procontra: Warum?

Keller: Fehlt diese Klarstellung, steht der Versicherungsnehmer schnell im Regen -  natürlich auch hinsichtlich der Abwehr unberechtigter Ansprüche. Wer nun glaubt, die Rechtsschutzversicherung würde hier einspringen, sollte mal einen Blick in die Allgemeine Rechtsschutzbedingungen unter „Ausschlüsse“ werfen.   Und Vorsicht: Viele Versicherer versprechen vollmundig, die Reitbeteiligung sei „mitversichert“. Damit ist aber grundsätzlich etwas ganz anderes gemeint, als der Kunde glaubt! Gemeint ist damit die gesetzliche Haftung der Reitbeteiligung gemäß § 823 BGB, sprich: wenn diese im Umgang mit dem Pferd durch eigenes Verschulden Dritte schädigt. Das ist ja nun nicht das Gleiche, im Gegenteil: Durch diesen Einschluss werden die Ansprüche der Reitbeteiligung gegen den Pferdehalter grundsätzlich ausgeschlossen, da die Reitbeteiligung dadurch zur mitversicherten Person wird. Siehe hierzu § 7 der Allgemeinen Haftpflichtbedingungen. An dieser Stelle wird klar, warum die oben genannte Klarstellung in die Besonderen Bedingungen und Risikobeschreibungen (BBR) gehört.    

procontra: Welche Punkte sind sonst bei einer Tierhalterhaftpflicht wichtig?    

Keller: Das ist nicht pauschal zu beantworten. Aber um eine Sache zu nennen: Es sollte in den Bedingungen klargestellt sein, dass beispielsweise das Reiten und Führen des Pferdes im Straßenverkehr auch dann versichert ist, wenn ungewöhnliche / gebisslose Zäumungen verwendet werden oder auf Halfter geführt wird. Eigentlich ist dies eine Selbstverständlichkeit. Aber im Schadenfall sollte Klarheit herrschen - damit man sich nicht noch mit einem Sachbearbeiter rumstreiten muss, der von Tuten und Blasen keine Ahnung hat. Ich führte mal eine Diskussion mit einem Sachbearbeiter, der eine gebisslose Zäumung nicht von einer gebisslosen Oma unterscheiden konnte beziehungsweise glaubte, wir sprächen über ein Pferd, welches altersbedingt keine Zähne mehr im Maul habe. Man sollte sich auch keinesfalls auf sogenannte „Gnadenbrotpferd-Tarife“ verlassen. Hier gilt lediglich folgende Ausnahme: Der Versicherer bestätigt schriftlich, dass die unerlaubte Nutzung des Pferdes durch Dritte bzw. deren eventuelle Ansprüche gegen den Versicherungsnehmer  unter den Versicherungsschutz fallen. Das ist nämlich die böse Falle daran: Schäden durch das Reiten des in der Police benannten Pferdes (z. B. durch Runterbuckeln, Durchgehen, o. ä.) sind dann ausgeschlossen. Gleichzeitig gibt es aber solch schräge Personen, die einfach auf Koppeln eindringen und fremde Pferde reiten. Kommt es dabei zum Unfall, sieht es schnell böse aus. Ich kenne einen aktuellen Fall mit einem schwerst verletzten Mädchen und einem tödlich verletzten Pony. Dessen Halterin hatte einen solchen Tarif online abgeschlossen und sieht sich nun mit einer Krankenversicherung konfrontiert, die sie in Regress nehmen will. Gleichzeitig verweigert ihr Haftpflicht-Versicherer die Leistung.  Ich selbst habe von ein und demselben Versicherer drei voneinander abweichende Aussagen erhalten, wie es sich bei einem solchen Schadenfall verhalten würde. Rechtssicherheit sieht anders aus – gerade hinsichtlich unserer Haftung als Makler ein ganz heißes Eisen.  

procontra: Wie groß sind die qualitativen Unterschiede von Tierhalterhaftpflichtversicherungen auf dem Markt?  

Keller: Die zu beobachtenden Unterschiede sind wirklich enorm. Ich kenne Anbieter, die eine Forderungsausfalldeckung nicht nur mit einer Mindestschadenhöhe, sondern auch einer Maximalleistung von weit unter 100.000 € anbieten. Natürlich ohne die spezielle Rechtsschutzfunktion und ohne Benennung von Vorsatztaten. Das ist für Personenschäden geradezu ein Witz, der mit den wirklich guten Deckungen kein Stück mithalten kann.    

procontra: „Normale“ Haftpflichtversicherungen sollten alle Jahre aktualisiert werden, da die Policen in den vergangenen Jahren immer besser wurden. Wie sieht die Situation im Bereich der Tierhalterhaftpflichtversicherungen aus?    

Keller: Da sieht es bei der Tierhalterhaftpflicht kein Stück anders aus. Allerdings hat auch in diesem Segment hier und da die „Update-Garantie“ Einzug gehalten. Gute Tarifwerke aktualisieren sich also von alleine.      

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