Versicherer investieren auch in Atomkraft und Waffen

Investmentfonds von Florian Burghardt

Wie ethisch und ökologisch verantwortlich investieren die Lebensversicherer das Geld ihrer Kunden? Wer handelt nachhaltig und wer kennt keine Tabus? Darauf hat die Verbraucherzentrale Bremen 46 Fondsrenten-Anbieter untersucht.

Der Großteil der befragten Versicherer schließt Atomkraft nicht von seinen Kapitalanlagen aus.

Der Großteil der befragten Versicherer schließt Atomkraft nicht von seinen Kapitalanlagen aus. Bild: JamesQube/Pixabay

Das gute Gewissen spielt bei der Geldanlage eine immer größere Rolle. Soziale, ökologische und ethische Kriterien sind bereits jetzt entscheidend für den Großteil der Privatanleger. Auch Versicherer setzen zunehmend auf Nachhaltigkeit bei ihren Investitionen und gründen dafür eigene Tochterunternehmen.

Wie es um die ethisch-ökologischen Anlagekriterien bei den Anbietern von privaten Rentenversicherungen mit Fondsanteil bestellt ist, hat die Verbraucherzentrale Bremen (VZB) untersucht. Anhand von öffentlich zugänglichen Informationen sowie einer Befragung von 46 Anbietern wollte die VZB herausfinden, welche kontroversen Bereiche die Lebensversicherer bei der Geldanlage ausschließen. Geprüft wurden die Bereiche:

  • Atomkraft     
  • Geächtete Waffen     
  • Kinderarbeit     
  • Menschenrechtsverletzungen     
  • Kohle     
  • Glücksspiel und Pornografie      
  • Nahrungsmittelspekulationen      
  • Ausschlusskriterien für kontroverse Staatsanleihen

Nur 2 Versicherer überzeugen

Im Ergebnis wenden nur zwei Lebensversicherer so viele Ausschlusskriterien an, dass es die VZB als umfangreich bezeichnet – die Concordia oeco und die Familienfürsorge. 22 Anbieter gaben an, mindestens einen der Bereiche ganz oder teilweise von ihren Investitionen auszuschließen. Am häufigsten wurden dabei geächtete Waffen und Nahrungsmittelspekulationen genannt. Investitionen in Atomkraft und Kohle finden hingegen noch sehr häufig statt.

Insgesamt sieht die VZB deutlichen Nachholbedarf in Sachen nachhaltiger Kapitalanlage bei den Versicherungsunternehmen. „Selbst Geschäfte mit international geächteten Waffen wie Landminen und Streumunition schließen einige Versicherungen nicht konsequent aus“, sagt Ulrike Brendel von der VZB.

20 der befragten Lebensversicherer veröffentlichen, laut Angaben der VZB, keine aussagekräftigen Informationen zu ihren Nachhaltigkeitsstandards und wollten dazu auch keine konkreten Angaben machen – darunter auch einige Branchengrößen. Die vollständigen Ergebnisse der VZB-Untersuchung können über diesen Link eingesehen werden. 

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