Urteil: Wann die Auslandsreisekrankenversicherung nicht zahlen muss

Berater von Martin Thaler

Eine Reise nach Pakistan bot für eine Familie eine unschöne Überraschung - nach einer Krankheit wollte die Auslandsreisekrankenversicherung die Behandlungskosten nicht zahlen, sondern wollte selbst Geld vom Mann. Das Amtsgericht München musste entscheiden.

Am Amtsgericht München ging es darum, ob die Auslandsreisekrankenversicherung auch bei unklaren Rechnungen zahlen muss.

Am Amtsgericht München ging es darum, ob die Auslandsreisekrankenversicherung auch bei unklaren Rechnungen zahlen muss. Foto: openRoadPR - pixabay.de

Wer im Urlaub erkrankt, sollte darauf achten, dass in den Rechnungen die genauen Behandlungen sowie Kosten aufgeführt werden. Sonst muss nämlich die Auslandsreisekrankenversicherung nicht zahlen, wie das Münchener Amtsgericht jüngst festhielt (Az: 159 C 517/17).  

Was war passiert?  

Ein 42-jähriger Mann hatte für sich und seine zwei Kinder eine Auslandsreisekrankenversicherung abgeschlossen. Kurze Zeit später reiste die Familie nach Pakistan. Kurze Zeit später forderte er von seiner Versicherung eine Kostenerstattung in Höhe von 150.060 pakistanischen Rupien ein (umgerechnet 1.200 Euro) – diesen Betrag habe er für Behandlungen und Medikamente bezahlt, gab der Mann an.

Aus den eingereichten Unterlagen ließ sich nicht entnehmen, wofür Behandlungen und Medikamente bestimmt gewesen war. Der Mann erzählte später, die Familie sei plötzlich an starken Magenschmerzen erkrankt. Die Versicherung verweigerte allerdings die Kostenerstattung. Sie begründete ihre Ablehnung damit, dass laut allgemeinen Versicherungsbedingungen alle Belege neben Namen und Geburtsdatum der behandelten Person auch das Behandlungsdatum, den Grund der Behandlungen und die einzelnen ärztlichen Leistungen bzw. Kosten enthalten müssen.

Zudem seien die Belege des Mannes gefälscht, zumindest von einer Institution ausgestellt worden, die nicht mehr existiere. Die Versicherung verlangte daraufhin ihrerseits 250 Euro von dem Mann für Recherchen, die sie unternommen hatte. Beide Parteien zogen in der Folge vor das Münchener Amtsgericht.

Das Urteil

Die Münchener Richter gaben zum einen der Versicherung recht – der Mann konnte keinen Versicherungsfall nachweisen, demzufolge müsse die Versicherung auch nicht leisten. Aus den vorgelegten Rechnungen ließe sich keine Diagnose erkennen, so das Gericht. Auch sei nicht erkennbar gewesen, welche Behandlungen konkret durchgeführt wurden.

Die Richter hielten es für nicht erwiesen, dass der Mann 150.060 Rupien für medizinische Behandlungen und Medikamente gezahlt hatte. Allerdings wollte das Gericht auch nicht bestätigen, dass die eingereichten Belege gefälscht seien. Darum wurde auch die Klage der Versicherung auf Erstattung der Nachforschungskosten abgewiesen.  

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