Run-Off: „Für die Kunden ändert sich nichts“

LV-Check Versicherungen Top News von Matthias Hundt

Viel Lärm um Nichts?! Die Run-Off-Debatte nahm an Fahrt auf, als die Verkaufspläne großer Anbieter publik wurden. procontra fragte Ina Kirchhof, CEO der Run-Off-Plattform Athene Lebensversicherung, ob bei den Überschüssen nun geknausert wird.

Ina Kirchhof, CEO der Run-Off-Plattform Athene Lebensversicherung

Ina Kirchhof, CEO der Run-Off-Plattform Athene Lebensversicherung

procontra: Warum kann es für Lebensversicherer von Vorteil sein, Altbestände an Konsolidierungsplattformen abzugeben?

Ina Kirchhof: Der Gedanke, der dem Run-off-Geschäft zugrunde liegt, ist nichts Ungewöhnliches in der Unternehmenswelt. Es gehört zum normalen Geschäftsgebaren, dass ein Unternehmen sich auf seine Kernkompetenzen konzentriert und gegebenenfalls Bereiche, die nicht mehr zu seinem zukünftigen Geschäftsmodell passen, abgibt. Wir ermöglichen es Lebensversicherern, Kapital und Managementkapazitäten freizusetzen sowie ihre operative Ausrichtung neu zu justieren.

procontra: Woraus ergeben sich die Effizienzvorteile, die Ihnen zugesprochen werden?

Kirchhof: Als Konsolidierungsplattform haben wir den Vorteil, dass wir uns ausschließlich auf die existierenden Kunden konzentrieren können. Unser Team muss sich weder um die Entwicklung neuer Produkte noch um Neugeschäft kümmern. Zugleich können wir unsere Prozesse ganz auf die Verwaltung bestehender Policen zuschneiden. Daneben haben wir eine zukunftsfähige IT-Infrastruktur, in die weitere Plattformen integriert werden können. Bei der Anlage unserer Assets haben wir Zugriff auf das langjährige Know-how und die breite Plattform von Apollo. Gerade in Zeiten niedriger Zinsen ist ein professionelles Asset Management entscheidend, um angemessene Renditen zu erwirtschaften.

procontra: Verbraucherschützer mutmaßen nun, dass Run-Off-Unternehmen - eben weil sie nicht mehr um Neukunden buhlen müssen – bei der Überschussbeteiligung knausern werden. Haben Sie wirklich kein Reputationsrisiko?

Kirchhof: Zufriedene Kunden sind die Basis unseres Geschäftsmodells. Es liegt in unserem natürlichen Interesse, den Kunden bis zum Ablauf seines Vertrages zu halten. Denn je geringer die Stornoquote ausfällt, desto besser ist es für uns und unsere Reputation. Das ganze Unternehmen ist somit darauf ausgerichtet, die Servicequalität hoch zu halten. Auch werden die Kunden unverändert an den anfallenden Überschüssen beteiligt. Dies ist im Versicherungsaufsichtsgesetz geregelt.

procontra: Für die Kunden ändert sich also nichts?!

Kirchhof: Für die Kunden ändert sich nichts. Die Verträge werden unverändert fortgeführt und die Kunden weiterhin vertragskonform und nach den aufsichtsrechtlichen Vorgaben an den Überschüssen und Bewertungsreserven beteiligt.

procontra: Dennoch schmälert jede Zahlung über der Mindestzuführung ihren Gewinn.

Kirchhof: Solange wir als Unternehmen gut wirtschaften, werden wir den Versicherten Überschüsse zahlen können. Die Grundlage unseres Geschäftsmodells ist eine professionelle Verwaltung der Assets. Wir sind der Meinung, dass die Kostenvorteile einer effizienten Plattform allein nicht ausreichen, um profitabel zu wirtschaften. Unser Asset Management ruht daher auf zwei Säulen. Zum einen sorgt unser erfahrenes Managementteam dafür, dass wir unser Asset Management auch in Zeiten von Niedrigzinsen und Solvency II weiter optimieren. Zum anderen können wir auf das langjährige Know-how und die breite Plattform von Apollo zurückgreifen, die Assets im Gesamtvolumen von ca. 242 Milliarden Dollar verwalten.

procontra: Gibt es konkrete Pläne weitere LV-Bestände zu übernehmen?

Kirchhof: Natürlich schauen wir uns derzeit nach weiteren Portfolien um. Wir haben eine beträchtliche Kapitalbasis, die unsere Wachstumspläne für die nächsten Jahre stützt, und die Expertise, um Portfolien von Versicherungsunternehmen aller Größenordnungen zu kaufen, zu integrieren und zu verwalten.

Lesen Sie alles Wissenswerte über die Run-Off-Bewegungen im LV-Markt in der kommenden procontra-Printausgabe, die am 15.12.2017 erscheinen wird.

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