Run-Off-Debatte: Ergo beendet Verkaufsgespräche

Versicherungen von Michael Fiedler

Lebensversicherung: Die Ergo will ihre LV-Töchter mit Altbestand nun doch nicht verkaufen. Die Angebote würden den Wert nicht widerspiegeln. Doch die Verwaltung der Bestände soll auch anderen Versicherern angeboten werden. Unter welchen Voraussetzungen das geschehen soll.

Lebensversicherung RunOff Ergo MunichRe

Verkaufen? Doch nicht verkaufen? Dr. Markus Rieß hat geprüft, gewogen und die Angebote für zu leicht befunden. Bild: Fiedler/ procontra

Arag hat es getan, Generali möchte gern, aber Ergo nicht mehr: Es geht um den Verkauf der Altbestände in der Lebensversicherung. Wie der Versicherer mitteilte, habe er die Gespräche zum Verkauf der Lebensversicherungsgesellschaften mit klassischen Beständen beendet.
Nach Aussagen von Markus Rieß, Vorsitzender des Vorstands der Ergo Group AG, würden sich in den vorliegenden Angeboten weder Wert des Bestands noch Wertentwicklungspotential widerspiegeln. Der Versicherer werde deshalb die klassischen Lebensversicherungsbestände weiterhin unter eigener Regie verwalten.

Zur Höhe des Angebots und der Differenz zum erwarteten Betrag wollte sich Ergo gegenüber procontra nicht äußern. 

Der angedachte Verkauf war innerhalb der Belegschaft auf Kritik gestoßen. So meinte Tobias Münster, stellvertretender Vorsitzender der Neue Assekuranz Gewerkschaft (NAG), vor Ergo-Mitarbeitern, dass jahrzehntelange Finanzbeziehungen mit den Kunden der Ergo nicht „wie ein klappriger Gebrauchtwagen an Hedgefonds oder chinesische Investoren verramscht werden“ dürften. Sogar 5.000 Unterschriften gegen den Verkauf wurden gesammelt.
Auch auf Seiten der Versicherer ist der externe Run-off bzw. der Verkauf von LV-Beständen umstritten. So erklärten im Oktober mehrere Versicherer, dass sie auf Run-Off verzichten würden. Markus Faulhaber, Chef der Allianz Leben, ließ die Öffentlichkeit seinerzeit wissen: „Eine Lebens- und Rentenversicherung ist ein langfristiger Vertrag zwischen Versicherer und Kunde und basiert auf Vertrauen. Unsere Kunden müssen wissen, dass sie sich auf uns verlassen können – heute und in Zukunft.“ 

Wie geht der Versicherer nun mit den teuren Altbeständen um? „Im Vordergrund stehen nun weitere Effizienzsteigerungen durch eine konsequente IT-Migration und weitere Optimierung von Risikomanagement und Kapitalausstattung. Wir halten jetzt weiter an unserer im ESP kommunizierten Strategie fest, nach der IT-Migration anderen Versicherern die Bestandsverwaltung anzubieten und Synergien zu erzielen", so Markus Rieß auf procontra-Nachfrage. Dabei müssen die Erwartungen von Mutter Munich Re erfüllt werden; eine Aufgabe für Vorstand Frank Witthold.

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