„Nur Aktien schützen vor realem Vermögensverlust“

Investmentfonds Top News von Jan F. Wagner

Um procontra-Interview spricht Tim Albrecht, Manager des Aktienfonds DWS Deutschland, über die Aktienscheue der Deutschen, die Gründe für die gute Performance seines Fonds sowie über den ETF-Hype.

Erklärt die Aktienscheu der Deutschen: Fondsmanager Tim Albrecht.

Erklärt die Aktienscheu der Deutschen: Fondsmanager Tim Albrecht. Foto: Roger Strauss/ Kaleidomania Bildproduktion

procontra: Herr Albrecht, zwischen 2002 und 2017 hat der DWS Deutschland eine durchschnittliche Jahresrendite von 11 Prozent erzielt und damit die Leitindizes Dax und CDAX geschlagen. Was sind die Gründe dafür?  

Tim Albrecht: Ich denke, es ist eine Kombination aus mehreren Dingen. Zum einen haben wir ein sehr gutes Team von Spezialisten. Das sind sieben Kollegen, mich eingeschlossen, die sich mit deutschen Aktien beschäftigen. Es ist wichtig, dass die Qualität der Mannschaft stimmt und der Investmentprozess richtig umgesetzt wird.  Es reicht zum Beispiel nicht, die 30 Dax-Unternehmen zu analysieren, um dann die besten auszuwählen. Wir müssen das gesamte Nebenwerte-Universum im Auge behalten – also die Unternehmen im MDax, TecDax und SDax sowie kleinere Titel, die neben den großen Indizes handeln.  

procontra: Große Ressourcen sind also der Schlüssel zum Erfolg beim Fondsmanagement?  

Albrecht: Wenn das so wäre, wären viele Fondshäuser erfolgreicher. Man stellt viele Leute ein, arbeitet fleißig und schon schlägt man den Markt. Die Realität sieht anders aus. Wir haben an den Aktienmärkten eine Situation, die geprägt ist von hoher Nervosität und Schwankungen. Damit muss man umgehen können. Man muss mitunter Risiken eingehen und die Fähigkeit besitzen, auch antizyklisch zu investieren. Gehört auch Glück dazu? Ja klar. Es kann immer Unvorhergesehenes passieren. Wir können zum Beispiel nicht vorher wissen, ob Unternehmen X beschließt, ein von uns gehaltenes Unternehmen zu kaufen. Damit profitiert der Fonds gegebenenfalls von dem Kursanstieg des Übernahmekandidaten oder auch nicht. 

procontra: Beschreiben bitte die Anlagestrategie von Ihrem Fonds.  

Albrecht: Der DWS Deutschland ist ein Deutschland-Aktienfonds, der eine flexible Anlagestrategie verfolgt. Je nach Marktlage managen wir den Fonds wachstums- oder wertorientiert. Unser Ziel ist ein möglichst hoher Mehrwert bei kontrolliertem Risiko. Dem Portfolio mischen wir bis zu 50 Prozent Nebenwerte bei, die wir vorher genau analysieren. Unsere Aufgabe ist es, die Benchmark CDAX (Gesamtindex Anm d. Red.) zu übertreffen. Ein Anleger, der sein Geld bei uns investiert, sollte eine entsprechende Asset-Allokation in seinem Portfolio bereits vorgenommen haben. Dazu gehört die Entscheidung, langfristig in deutsche Aktien zu investieren.

procontra: Müssten die Kritiker mit Blick auf die Performance doch zugeben, dass das aktive Management von Fonds funktioniert?  

Albrecht: Wenn sie sich die Fakten ansehen, bleibt ihnen wenig anderes übrig. Aber man muss dies differenziert betrachten. Schaut man sich die Entwicklung globaler Aktienfonds an, stellt man fest, dass der Großteil der Fondsmanager den Vergleichsindex nicht übertroffen hat. Analysiert man dies jedoch nach einzelnen Ländern oder Sektoren, dreht sich das Bild und die Zahl der Fondsmanager, die die Benchmark geschlagen haben, steigt deutlich an. Dafür gibt es gute Gründe, zum Beispiel ein gutes Team, das sich mit Nebenwerten oder einem bestimmten Sektor gut auskennt. Aber auch die Nähe zum Markt.  Wir sind nicht ohne Grund so stark in deutschen Aktien. Es ist unser Heimatmarkt – das ist ein großer Vorteil. Wir kennen die Unternehmen, treffen sie regelmäßig.   

Ich bin folgender Ansicht: Grundsätzlich haben sowohl aktiv als auch passiv gemanagte Produkte ihre Daseinsberechtigung. Für taktische Investoren mit einem kurzfristigem Anlagehorizont kann ein passives Produkt wie ein ETF (börsennotierte Indexfonds Anm. d. Red.) durchaus das Richtige sein. Für ein strategisches Investment empfehle ich immer aktiv gemanagte Aktienfonds mit der Möglichkeit einer Outperformance und langfristig höheren Rendite. Ob aktiv oder passiv, das hängt nicht zuletzt von der Kundenpräferenz ab. Am Ende dient beides der Aktienkultur in Deutschland.

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