Maklerverwaltungsprogramme (MVP): Abhängigkeit droht

Digital Top News von Michael Fiedler

Welche Versicherer bieten die beste technische Anbindung für Makler? Welches Maklerverwaltungsprogramm (MVP) überzeugt? Und in welchem Extranet fühlen sich Makler am wohlsten? Diese Fragen beantwortet das „Makler Audit 2017“ der deutsche-versicherungsboerse.de (dvb).

Maklerverwaltungsprogramm Digitalisierung Versicherungsboerse Makler

Makler gelangen bei einem oligopolistischen Markt in Abhängigkeiten gegenüber den Herstellern von Maklerverwaltungsprogrammen. pixabay / grunzibaer

„In Zeiten zunehmender Digitalisierung werden die technischen Abwicklungsprozesse zwischen den Versicherungsunternehmen und Maklern immer wichtiger“, meint Friedel Rohde, Geschäftsführer der dvb. Seiner Ansicht nach, könne es sich kaum ein Makler erlauben, ein Maklerverwaltungsprogramm zu nutzen, das BiPRO-Normen nicht unterstützt. Doch das beste MVP ist nutzlos, wenn Versicherer keine entsprechenden Schnittstellen zur Verfügung stellen. IT-Fachleute und Versicherungsmakler in der Jury der dvb zeichneten deshalb jene Versicherer aus, die nach Ansicht der Experten die beste technische Makleranbindung bieten. Dabei konnte sich der Volkswohlbund mit 72 von 100 möglichen Punkten durchsetzen. Mit deutlichem Abstand zur WWK (47) und Allianz (44). Auf dem vierten Platz rangieren gleich mehrere Versicherer: Die Haftpflichtkasse, Nürnberger und Stuttgarter erreichten jeweils 43 von 100 möglichen Punkten. „Jedes Jahr modifiziert die einberufene Jury die Kriterien für die technische Makleranbindung, da sich die Grundlagen und der Bedarf immer wieder verändern“, erläutert Friedel Rohde.

MVP: Abhängigkeit droht

Beeindruckt zeigte sich Rohde von der Geschwindigkeit, mit der sich der MVP-Markt verändert hat. „Mit der Übernahme des Maklerverwaltungsprogramms VIAS von Lutronik durch assfinet (Acturis) ist deutlich gemacht worden, dass dieser Markt erheblich unter Druck geraten ist“, heißt es in der Studie. Heute würden rund 29 Prozent der Makler Systeme von Acturis Deutschland nutzen. Addiert man den Marktanteil von VIAS (25 Prozent), ergibt das eine einen Marktanteil von über 50 Prozent. „Ich weiß nicht, ob ich das gut finde“, gibt Rohde zu bedenken. „Einerseits ist es wichtig, dem Makler gut funktionierende MVP zur Seite zu stellen, damit sie ihre Arbeitszeit für die Verwaltungstätigkeiten erheblich reduzieren können. Andererseits gelangen sie bei einem oligopolistischen Markt in Abhängigkeiten gegenüber den MVP.“

Makler fordern BiPRO-Umsetzung

Die Studie stellt zudem einen Lerneffekt bei Maklern fest: Wussten sie vor wenigen Jahren mit BiPRO noch nichts anzufangen, bewegen sich einige Makler bereits auf Normenebene und wünschen gezielt die Umsetzung von Normen, wie der 430.4. Die Makler fordern den elektronischen Datenaustausch mittlerweile gezielt ein, so die Studie.
Welchem MVP-Anbieter das am besten gelingt, bewertete die Jury ebenfalls und verlieh einen Award für die beste technische Anbindung der MVP an die Versicherungsgesellschaften. AMS von assfinet erreichte 84 Punkte (von 100 möglichen) und sicherte sich damit den ersten Platz. Lutronik (77 Punkte) kam auf den zweiten Platz, während Keasy (54 Punkte) den dritten Rang belegt.

Extranet: Nutzen aus Verzweiflung

Bei den Extranets fühlen sich die Makler von der VHV am besten unterstützt. Auf dem zweiten Platz konnte sich die Haftpflichtkasse behaupten. Den dritten Platz belegte die Allianz. Dennoch sind Extranets eher unbeliebt und Makler nutzen sie laut Studie aus der Verzweiflung heraus, weil die Versicherer für sie immer schwerer zu erreichen sind.
Wichtig oder sehr wichtig ist 90 Prozent der Befragten allerdings der elektronische Abruf der Kunden- und Vertragsdaten, Dokumenten, Versicherungsscheinen, Schriftwechsel zwischen VU und Kunden sowie von Schadeninformationen.

Zur Studie:
Für die Studie wurden die Antworten von etwa 600 Maklern ausgewertet. Hinzu kommen Versicherer und MVP-Hersteller. Die Studie kann samt Auswertung bei der deutschen-versicherungsboerse.de erworben werden.
Makler der Berufsverbände BVK, VDVM und AfW, welche die Umfrage aktiv unterstützt hatten, erhalten über ihre Verbände eine erweiterte Auswertung.

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