„In allen Vertriebskanälen nimmt das Interesse an AIFs zu“

Top News Sachwerte von Stefan Terliesner

Michael Ruhl, Geschäftsführer von Hannover Leasing, über die Folgen der Air-Berlin-Pleite, die neue Lust der Investoren an geschlossenen Fonds und die Probleme, die Vermittler mit dem Produkt haben.

Michael Ruhl, Geschäftsführer der Hannover Leasing.

Michael Ruhl, Geschäftsführer der Hannover Leasing. Foto: Hannover Leasing

macron?procontra: Herr Ruhl, Hannover Leasing legt auch Publikums-Alternative-Investmentfonds (AIF) auf, die in Flugzeuge investieren. Sind Sie von der Air-Berlin-Pleite betroffen?  

Michael Ruhl: Zwei Fonds mit je einem geleasten Flugzeug sind betroffen. Air Berlin hat die Maschinen an ihre Tochter Niki untervermietet. Die Leasingraten Ende August 2017 sind nicht bei uns eingegangen. Niki ist in einem Cash-Pool mit Air Berlin und hält die Zahlungen zurück. Aufgrund dieses Zahlungsverzugs haben wir eine Bankgarantie über jeweils zwei Monatsmieten. Das ist eine schwierige rechtliche Situation, in der wir uns beraten lassen. Wir haben in den Fonds aber genügend Liquidität um den Kapitaldienst für die nächsten Monate zu leisten. Derzeit verhandeln wir mit den potenziellen Erwerbern über das Weiterverleasen oder über einen Verkauf der Maschinen.  

procontra: Was könnte im schlimmsten Fall für die Gesellschafter der beiden Fonds passieren?  

Ruhl: Da die Leasingverträge ohnehin 2018 auslaufen, kann nicht mehr viel passieren. Einen Großteil ihres Eigenkapitals haben wir an die Anleger bereits zurückgezahlt, beim „Flight Invest 47“ rund 65 Prozent und beim „Flight Invest 48“ rund 74 Prozent. Auch die Darlehen sind weit runtergetilgt. Falls eine Kündigung der Verträge notwendig wird, können wir die Maschinen am Markt verkaufen. Unter dem Strich könnten wir aus heutiger Sicht bei den aktuellen Marktwerten für eine A 321 noch eine Nachsteuerrendite von 1,5 bis 2 Prozent für die Anleger erzielen.

procontra: Was spricht aus Anlegersicht für geschlossene Flugzeugfonds?  

Ruhl: Privatanleger schätzen die relativ sicheren regelmäßigen Ausschüttungen, durch die fixen Leasingraten über die Laufzeit. Zudem muss der Anleger nur eine Meinung zu einem Flugzeugtyp und nur zu einem Leasingnehmer haben. Die Verpflichtung zur Instandhaltung der Maschine liegt bei der Airline. Im Grunde also ein einfaches Produkt.

procontra: An Schiffsfonds haben Sie kein Interesse mehr?  

Ruhl: Nein.  

Seite 1: Die Folgen der AirBerlin-Pleite
Seite 2: Die Probleme der Vermittler

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare