„Ich hätte die Riester-Rente gern einfacher gemacht“

Top News Versicherungen Berater von Matthias Hundt

Zum 10-jährigen procontra-Jubiläum blickt Walter Riester auf „seine“ Rente zurück. Warum sie heute stagniert und wie er sie eigentlich machen wollte.

Foto: Walter Riester, © procontra

Foto: Der ehemalige Bundesarbeitsminister Walter Riester im Gespräch mit procontra, © procontra

procontra: Vor zehn Jahren knackte die Anzahl der Riesterverträge die 10-Millionen-Marke und konnte damit auf einen rasanten Wachstumsstart zurückblicken. Warum herrscht heute bestenfalls noch Stagnation?

Walter Riester: Die Entwicklung ist ganz interessant im Rückblick. Schon bei der Einführung 2001/2002 gab es unterschiedliche Störfeuer. Die politische Opposition blickte bereits auf die Bundestagswahl 2002 und hatte wenig Interesse, die Riester-Rente vollends zu unterstützen. Die Verbraucherschützer warnten 2001 vor einem Abschluss, da den Anbietern die entsprechende Genehmigung noch fehlte. Formal hatten sie recht, doch im Nachhinein wurden erwartungsgemäß nahezu alle Produkte genehmigt. Der Störfaktor war allerdings im Markt.

procontra: Wir blicken aber auf einen positiven Start zurück.

Riester: Richtig. Beflügelt durch den Wegfall des Steuerprivilegs für kapitalbildende Lebensversicherungen gingen auch die Verkaufszahlen für Riester-Renten nach oben. Danach entwickelten sich die Verkaufszahlen sehr positiv. Bis zum 27. September 2007.

procontra: Warum gerade dieser konkrete Tag?

Riester: An diesem Tag, fragten mich zwei Journalisten von „plusminus“, ob ich es für ratsam halte, dass ein Geringverdiener eine Riester-Rente abschließt.

procontra: Klingt doch wie eine Steilvorlage für Sie.

Riester: Das dachte ich auch. Natürlich hielt und halte ich es gerade für die Klientel der Geringverdiener für sinnvoll, da sie zum einen die höchste Förderunterstützung bekommen und zum anderen eine zusätzliche Vorsorge am nötigsten haben. Daraufhin hielten mir die beiden Journalisten die spätere Anrechnung der Riesteransprüche auf eine eventuelle Grundsicherung entgegen.

procontra: Womit sie inhaltlich ja Recht hatten...

Riester: Ja, aber diese Anrechnung findet auch bei den Ansprüchen aus der gesetzlichen Rente statt. Deshalb rät aber niemand Geringverdienern von einer sozialversicherungspflichtigen Erwerbstätigkeit ab. Nun rollte die erste Verunsicherungswelle genau auf jene Zielgruppe zu, die ich mit der Zulagenförderung besonders unterstützen wollte. Im Februar 2008 wurde dieser Kritikpunkt dann über eine sehr einseitige Darstellung bei „Monitor“ – meine Argumente wurden in der Sendung gar nicht ausgestrahlt – verstärkt, worauf sich die ganzen anderen Anti-Riester-Kampagnen aufbauten.

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