Grundfähigkeits-Policen: BU-Alternative oder versicherungstechnischer Mumpitz?

Berater Top News von Guido Lehberg

Gerade handwerklich tätige Menschen haben oftmals das Problem, eine für sie bezahlbare BU-Versicherung zu finden. Die Versicherer stellen ihnen die Grundfähigkeitsversicherung als Alternative dar - doch ist sie dies auch? Hierüber und worauf bei diesen Versicherungen zu achten ist, erklärt Versicherungsmakler Guido Lehberg.

Was Grundfähigkeitsversicherungen können und was nicht, erklärt Makler Guido Lehberg.

Was Grundfähigkeitsversicherungen können und was nicht, erklärt Makler Guido Lehberg. Foto: procontra

Wer sich zum Personenkreis der Akademiker zählen kann oder einem kaufmännischen Beruf nachgeht, wird sich in den vergangenen Jahren gefreut haben: Für ihn wurde die Berufsunfähigkeitsversicherung stets günstiger.

Anders sieht es jedoch für diejenigen aus, die sich im Beruf körperlich betätigen müssen: Sie mussten ordentlich schlucken, als sie den Beitrag für eine BU-Police gesehen haben. Zwar konnten sie diesen senken, wenn im Gegenzug an der Leistungshöhe bzw. der Vertragslaufzeit geschraubt wurde. Das böse Erwachen folgte dann jedoch beim Leistungsfall. Viele Versicherer reagierten auf dieses Problem mit der Wiederbelebung der Grundfähigkeitsversicherung, die eigentlich bereits in der Versenkung verschwunden war. Ein Produkt, das in erster Linie Handwerksberufe ansprechen sollte.  

So kam vor einigen Jahren der Dortmunder Volkswohl Bund mit seinem Produkt „Existenz“ auf den Markt, einer überarbeiteten Grundfähigkeitsversicherung mit schnellerem Leistungszugang für den Kunden. Nötig war nun nicht mehr der Verlust von bisher drei Grundfähigkeiten, sondern lediglich von einer über einen Zeitraum von mindestens zwölf Monaten. Zusätzlich hatten Kunden durch vereinfachte Gesundheits- und Risikofragen auch eine größere Chance, selbst bei Vorerkrankungen versichert zu sein.

Für Handwerker bot sich auf einmal die Chance zur Absicherung für die Hälfte der Kosten einer BU-Versicherung. Der Volkswohl Bund bliebt nicht lange allein, andere Unternehmen von „A“ wie Allianz bis „Z“ wie Zurich“ folgten mit eigenen Angeboten.

Alternative zur BU-Police?

Doch ist die Grundfähigkeitsversicherung wirklich eine günstige Alternative zur BU-Police? Oder schlicht und einfach versicherungstechnischer Mumpitz, wie ihre Gegner ihr vorwerfen? Diese Frage ist aber meiner Meinung nach falsch gestellt – denn ein Vergleich von Grundfähigkeits- und BU-Versicherung ist nicht wirklich zielführend.

Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist genau genommen eine Absicherung der sozialen Stellung des Versicherten. Kann dieser seine aktuelle Tätigkeit nicht mehr in dem Umfang wie zu gesunden Tagen ausüben, erhält er seine Leistung. Auch wenn er noch einer anderen Tätigkeit nachgeht oder nachgehen könnte. Dies kann die Grundfähigkeitsversicherung nicht leisten. Genau genommen ist das auch gar nicht ihre Aufgabe. Diese Versicherung versichert gewisse Fähigkeiten.

Ein Beispiel zum Vergleich: viele Modelle (Foto und Laufsteg) versichern ihre Beine. Man könnte meinen, dass der Verlust eines Beins gleichbedeutend mit dem Karriereende ist. Das muss jedoch nicht so sein – es gibt Models, die mit einem Bein erfolgreicher sind als viele, die mit beiden Beinen über die Bühne laufen. Die Grundfähigkeits-Versicherung zahlt aber bei einem Verlust eines Beines, auch wenn besagtes Fotomodell nach dem Verlust mehr in ihrem Beruf verdient als zuvor.

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Seite 3: Inhaltliche Prüfung im zweiten Schritt

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