"Dann ist der Makler auch raus aus der Preisdiskussion"

Berater Top News von Martin Thaler

In Bonn verhandeln die Staaten dieser Erde derzeit über das Weltklima. procontra sprach mit Versicherungsmakler Dr. Fabrice Gerdes, Geschäftsführer von grün versichert, über Funktionsweise und Chancen "grüner" Versicherungen und wie Makler den Aspekt der Nachhaltigkeit ins Verkaufsgespräch einfließen lassen können.

Vertreibt "grüne" Versicherungen: Dr. Fabrice Gerdes, Geschäftsführer der grün versichert GmbH.

Vertreibt "grüne" Versicherungen: Dr. Fabrice Gerdes, Geschäftsführer der grün versichert GmbH. Foto: grün versichert

procontra: Welches umweltfreundliche Potenzial besitzt die Versicherungsbranche und wieviel hat Sie davon Ihre Meinung bislang in Deutschland umgesetzt?

Dr. Fabrice Gerdes: Grundsätzlich hat jeder Versicherer die Möglichkeit, sich nachhaltiger aufzustellen. Hierzu zählen beispielsweise die Umstellung auf Ökostrom oder die Umstellung auf papierloses Arbeiten.   Der weitaus größere Hebel liegt allerdings in der Kapitalanlage. Deutsche Erstversicherer haben derzeit mehr als 1,2 Billionen Euro angelegt, mit denen sie wirklich Einfluss nehmen können, wenn sie gezielt Anlagen ausschließen bei denen die Umwelt, Menschen oder Tiere zu Schaden kommen. Die Rentabilität einer Investition hängt, insofern sie nicht eigenfinanziert ist, auch immer von den Finanzierungskosten ab. Wenn Investoren kritische Anlagen meiden, steigen für diese Unternehmen oder Investitionsprojekte die Finanzierungskosten, was wiederum deren Rentabilität schmälert.     

procontra: Was hebt eine bei Ihnen abgeschlossene grüne Unfall- oder Haftpflichtversicherung von einer „normalen“ Police ab?  

Gerdes: Die „grün versichert“ Tarife unterscheiden sich in drei Punkten vom Großteil der anderen Tarife im Markt. Erstens: Die Kunden erhalten bei Abschluss von „grün versichert“ Tarifen die Bestätigung, dass 100% des Nettobeitrags durch die Versicherer in nachhaltige Kapitalanlagen investiert wird. Zweitens: Kunden oder Geschädigte werden nach einem Schadensfall bei einem Großteil der Tarife mit einer Mehrleistung je nach Tarif von bis zu 60 Prozent belohnt, wenn auf nachhaltige Produkte oder nachhaltige Unternehmen zurückgegriffen wird. Drittens: Für jeden neuen Vertrag, unabhängig davon wer ihn vermittelt hat, pflanzen wir über die WeForest Foundation einen Baum. So konnten wir in relativ kurzer Zeit bereits mehrere Tausend Bäume pflanzen.     

procontra: Nach welchen Kriterien wählen sie die Versicherer aus, mit denen Sie kooperieren?  

Gerdes: Wir schauen uns als erstes die Struktur des Versicherers an. Kleine und mittelständische Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit stehen aufgrund ihrer nachhaltigen und auf die Mitglieder ausgerichteten Struktur im Fokus. Große Aktiengesellschaften, die sich mehrheitlich im Besitz institutioneller Anleger befinden, kommen für uns als Partner nicht in Frage. Im nächsten Schritt prüfen wir die Positionierung der Versicherer im Maklermarkt. Hier sind dann leistungsstarke Tarife und guter Service ausschlaggebend, ob wir auf den Versicherer zugehen oder nicht. Der Versicherer muss dann garantieren, dass 100 Prozent des Beitragsaufkommens der „grün versichert“ Tarife nach unseren Vorgaben nachhaltig investiert werden kann.     

procontra: Seit 2014 sind Sie nun im Markt. Wie hat sich das Geschäft in den vergangenen Jahren entwickelt? Sind Ereignisse, wie das Pariser Klimaabkommen, für Sie spürbar?

Gerdes: An der Geschäftsentwicklung merken wir, dass das Interesse an nachhaltigen Versicherungslösungen von Jahr zu Jahr steigt. Ereignisse wie das Pariser Klimaabkommen oder der Weltklimakonferenz bringen natürlich Aufmerksamkeit und schaffen ein Bewusstsein dafür, dass jeder einen Beitrag leisten sollte, da sich auf politischer Ebene zu wenig bewegt.   

procontra: Gibt es eine Hauptzielgruppe für diese Art von Produkten?

Gerdes: Da die Themen soziale Verantwortung und Nachhaltigkeit in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind, können nachhaltige Versicherungslösungen grundsätzlich für jeden Kunden interessant sein. Es haben sich allerdings zwei Kundengruppen herauskristallisiert, die besonders affin für dieses Thema sind: Junge Erwachsene nach der Ausbildung oder dem Studium, die ihre ersten Versicherungen benötigen. Und überdurchschnittlich gut gebildete Paare/Familien mit einem überdurchschnittlich hohen Einkommen, im Alter zwischen 30 und 45 Jahre.

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