BGH-Urteil: Neue Vorschriften für Check24 und Co?

Berater Recht & Haftung von Florian Burghardt

Die Mehrheit der Kunden weiß, dass sich Vergleichsportale neben Werbung auch durch Provisionen finanzieren, sagt eine aktuelle Umfrage. Der BGH sieht das anders und fordert mehr Transparenz über das Geschäftsmodell.

Von einem Vergleichsportal, das sich neben Werbung auch durch Provisionen finanziert, verlangt der BGH in Zukunft mehr Transparenz. Ein wegweisendes Urteil?

Von einem Vergleichsportal, das sich neben Werbung auch durch Provisionen finanziert, verlangt der BGH in Zukunft mehr Transparenz. Ein wegweisendes Urteil? Bild: BGH

Ob Strom und Gas, Internetanbieter oder Versicherung – Vergleichsportale sind eine deutsche Interneterfolgsgeschichte. So wird das Geschäft mit den Preisvergleichen zumindest in einer aktuellen Umfrage bezeichnet, die WIK-Consult und Yougov im Auftrag von Deutschlands größtem Vergleichsportal, Check24, durchgeführt haben.

Dafür wurden 2.045 Personen bevölkerungsrepräsentativ befragt. Von ihnen gaben 71 Prozent an, Vergleichsportale zu nutzen. Auf Seiten der Nutzer schließt aber nur etwa ein Drittel wirklich ein Produkt über das Portal ab. Knapp zwei Drittel der Nutzer würden hingegen nur nach Informationen suchen, um sich einen Überblick zu verschaffen.

Wie es zu diesem Überblick kommt und vor welchem wirtschaftlichen Hintergrund der Portalbetreiber die Informationen für seine Nutzer auswählt, darüber verlangt der Bundesgerichtshof (BGH) nun eine transparentere Darstellung (Urteil vom 27.04.2017, Az. I ZR 55/16). Im konkreten Fall ging es um ein Preisvergleichsportal für Bestattungsdienstleistungen, das nur solche Anbieter auflistete, die dem Portal für die Vermittlung von Aufträgen eine Provision in Höhe von 15 bis 17,5 Prozent des Angebotspreises zahlten.

Kunden rechnen nicht mit Provision

Mit seinem Urteil nimmt der BGH die Portalbetreiber stärker in die Pflicht. Die Richter betonten zwar, dass ein Unternehmer nicht jede Information liefern muss, die für die geschäftliche Entscheidung des Verbrauchers von Bedeutung ist. Dass ein Preisvergleichsportal aber nur Anbieter auflistet, die dessen Provisionsforderungen akzeptiert haben, darin sah der BGH einen Umstand mit dem der Verbraucher nicht rechnen würde.

Der Kunde würde vielmehr erwarten, dass die kostenlose Information werbefinanziert ist und würde, nach Ansicht der Richter, nicht damit rechnen, dass der Portalbetreiber ein konkretes wirtschaftliches Interesse am Vertragsabschluss in Form von Provisionen hat. Deshalb muss der Portalbetreiber in Zukunft über sein Geschäftsmodell informieren und über die Auswahl der in den Vergleich einbezogenen beziehungsweise nicht einbezogenen Anbieter informieren.

Seite 1: BGH fordert mehr Transparenz
Seite 2: Neuer Ärger für Check24?

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare