Amazon macht Ernst

Digital Top News Versicherungen von Michael Fiedler

Wann steigen Google, Amazon oder Facebook in den Versicherungsmarkt ein? Zumindest Amazon hat konkrete Pläne. Das legen Stellenanzeigen in Großbritannien nahe.

Amazon Lieferung Versichert

Welche Überraschung Amazon wohl für den Versicherungsmarkt bereithält? (Symbolbild) Fotolia / Nicola

Was plant Amazon? Reuters berichtet über Stellenanzeigen in Britannien, die kaum deutlicher sein könnten (siehe Bild).



Die traditionelle Art und Weise, wie traditionelle Produktversicherungsdienste erworben und geliefert werden, soll neu definiert und eine neue Palette von Dienstleistungen geschaffen werden.
In einer anderen Stellenanzeige heißt es: „Wollen Sie an der Gründung eines neuen Unternehmens teilhaben?“

Bereits jetzt können Amazon-Kunden einige ihrer Käufe über „Amazon Protect“ versichern. Dabei wird die Hersteller-Garantie verlängert und der Einkauf ist gegen versehentliche Beschädigung, Zusammenbruch und Diebstahl versichert. Der Risikoträger dafür, die Warranty Group, wollte sich auf Anfrage von Reuters nicht zu den Plänen von Amazon äußern.

„In der Garantieversicherungssparte ist Amazon mit 'Amazon Protect' bereits unterwegs. Was hinter den aktuellen Stellenausschreibungen steckt, kann momentan nur spekuliert werden. Wahrscheinlicher als eine komplett neue Sachsparte scheint zum jetzigen Zeitpunkt, dass Amazon versucht, sich noch stärker in das Ökosystem der Kunden einzuklinken“, so Justus Lücke, Geschäftsführer der Versicherungsforen Leipzig, gegenüber procontra.

Ansatz Alexa?

Patricia Davies, Analystin für Finanzdienstleistungen bei der Daten- und Analysefirma GlobalData, hält die Stellenanzeigen für ein sicheres Zeichen, dass Amazons Pläne zumindest auf dem britischen Markt konkrete Formen annehmen. Davis hält die sprachgesteuerte persönliche Assistentin Alexa für einen möglichen Ansatzpunkt für Amazon, um Bereich Smart Home zu expandieren. Sie könnte – durch Vernetzung mit anderen Haushaltsgeräten – z.B. davor warnen, wenn Wasserleitungen undicht geworden sind. „Ich erwarte nicht, dass Amazon mit traditionelle Versicherungsprodukten aufwartet“, sagte Davis gegenüber Reuters.

Nur eine Frage der Zeit

Aus Sicht vieler Branchenexperten war es ohnehin nur eine Frage der Zeit, bis die großen Datensammler (Facebook, Google, Amazon, Apple) direkt in das Versicherungsgeschäft einsteigen. Erst auf dem Norddeutschen Versicherungstag hatte Jan Meessen, Industry Manager Insurance von Google Deutschland, solche Pläne für seinen Arbeitgeber zurückgewiesen. Solange mit dem Anzeigengeschäft im Versicherungsbereich so viel Geld zu verdienen sei, werde es keinen direkten Einstieg geben. Der Internetriese hat mehrere Versuche unternommen, um ins Versicherungsgeschäft einzusteigen. Für Google eine Geschichte voller Rückzüge: 2013 scheiterte der Versuch in Frankreich; in Deutschland wurde Google compare nach knapp einem Jahr wieder eingestellt.

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