Wann der Sonntagsspaziergang zum Arbeitsunfall wird

Berater Recht & Haftung von Martin Thaler

Spaziergänge stehen besonders sonntags bei vielen Deutschen hoch im Kurs. Doch unter welchen Umständen kann ein Sturz hierbei einen Arbeitsunfall darstellen? Das Sozialgericht Düsseldorf gab Antwort.

Auch ein Spaziergang kann unter Umständen einen Arbeitsunfall darstellen.

Auch ein Spaziergang kann unter Umständen einen Arbeitsunfall darstellen. Foto: StockSnap - Pixabay.de

Kann ein sonntäglicher Spaziergang einen Arbeitsunfall darstellen? Diese Frage hatte nun das Düsseldorfer Sozialgericht zu beantworten (Az: S 6 U 545/14).  

Was war passiert?  

Ein 60-jähriger Düsseldorfer war während einer Kur beim Überqueren eines Fußgängerüberweges von einem Auto erfasst worden. Diesen Vorfall wollte er als Arbeitsunfall anerkannt wissen – die entsprechende Berufsgenossenschaft weigerte sich allerdings. Sie erklärte, dass der besagte Spaziergang nicht ärztlich angeordnet worden sei – damit handele es sich um eine eigenwirtschaftliche Tätigkeit, die nicht versichert sei. Hiergegen klagte der Mann.  

Das Urteil  

Das Sozialgericht Düsseldorf schloss sich der Argumentation des Mannes an. Dieser hatte angegeben, dass er mit dem Spaziergang seiner Verpflichtung zur aktiven Mitarbeit bei der Gewichtsreduzierung nachkommen wollte. Diese sei schließlich ein Ziel seiner Kur gewesen.  

Die Richter urteilten, dass der Spaziergang einen inneren Zusammenhang mit der Rehabilitationsmaßnahme aufweise. Dabei sei es als unerheblich zu bewerten, dass der Unfall an einem therapiefreien Sonntag stattgefunden habe. Entscheidend sei, dass der Mann davon ausgehen konnte, mit dem Spaziergang seiner Behandlung zu dienen und der Spaziergang auch aus objektiver Sicht kurgerecht sei. Beides sei im vorliegenden Fall gegeben gewesen, so dass der Vorfall als Arbeitsunfall zu werten sei, so das Gericht.

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