Versicherungsberater spannt ZDF vor eigenen Werbekarren

Berater Top News von Michael Fiedler

Illegales Honorar, überflüssige Leistungen, Wissenslücken im Kleingedruckten – so das Fazit der ZDF-Sendung WISO zur Beratungsleistung von Versicherungsmaklern. Wie sich das öffentlich-rechtliche Fernsehen vor den Karren von Versicherungsberatern spannen lässt. Ein Kommentar von Michael Fiedler.

ZDF Harstorff WiSO ZDF Versicherungsberater

Gibt das ZDF auf seiner Webseite als Referenz unter "Ausschreibungen" an: Versicherungsberater und Rechtsanwalt Roland Harstorff. Bild: Screenshot Youtube

Am Montagabend (16.10.2017) strahlte das ZDF in der Sendung „WISO“ einen Beitrag über die Beratungsleistungen von Versicherungsmaklern aus.
Die Redaktion hatte sich für einen „investigativen Ansatz“ entschieden und Beratungsgespräche zu einer Unfallpolice mit versteckter Kamera mitgeschnitten.
Als Experte diente der Redaktion Roland Harstorff, Versicherungsberater und Rechtsanwalt.

Neutralität? Nicht beim ZDF!

Sicher, die Makler im Film machen Fehler. Insbesondere das Geschäftsmodell bei dem der Makler sowohl Honorar (für die Beratung) als auch Courtage (für die Vermittlung) berechnen will.
„Dann zahle ich ja doppelt: Honorar und Provision“, flüstert Harstorff der Testkundin zu. Natürlich verschweigen Harstorff und das ZDF, dass die Testkundin vermutlich auch doppelt zahlen müsste, wenn sie gleich zum Versicherungsberater geht. Zwar dürfen Versicherungsberater auch zum Vertrag verhelfen - aber nur sogenannte Nettopolicen, die nicht jeder Anbieter im Portfolio hat. Die Testkundin würde also das Beratungshonorar für den Versicherungsberater zahlen, hätte aber u.U. immer noch keinen Versicherungsvertrag. Die Testkundin müsste dann also trotzdem zum Vermittler – und diesen auch bezahlen. ZDF und Harstorff lassen unerwähnt, dass Versicherungsberater auch gern mit Maklern oder Ausschließlichkeitsvermittlern kooperieren und sich via Tippgebervereinbarung für die Vermittlung von Kunden bezahlen lassen.

Berufsbild Makler: ZDF nennt Rechtsgrundlagen „Werbeblock“

Was für Makler Rechtsgrundlage ist, wird beim ZDF „Werbeblock“ genannt. Als die Testkundin bei einem Makler ist, klärt dieser sie über die Rechtsstellung des Maklers auf. Richtigerweise weist er sie darauf hin, dass Makler als Sachwalter ihrer Mandanten tätig sind – im Gegensatz zu anderen Versicherungsvermittlern. Kommentar aus dem Off dazu: „Dieser Makler beginnt die Beratung mit einem Werbeblock“.
Eine eigenwillige Auffassung von Recht – oder von Werbung. Aber diese Auffassung kommt nicht von ungefähr. Denn ZDF-Experte Harstorff bietet auf seiner Webseite noch mehr davon (siehe Screenshot).

 


Insbesondere mit dem Satz „Damit deckt sich sein Interesse an einer hohen Courtage regelmässig nicht mit Ihrem Interesse an bestmöglichem günstigem Versicherungsschutz“ stellt sich der Rechtsanwalt und ZDF-Experte gegen die Rechtsprechung des Bundesgerichtshof, der im Courtage-Modell eben genau keinen Interessenkonflikt feststellen kann. Zitat BGH: „An der Eigenschaft des Versicherungsmaklers als treuhänderischer Sachwalter des Versicherungsnehmers ändert auch die verbreitete Übung nichts, dass der Versicherungsmakler sein Vermittlungshonorar als Courtage für den Abschluss vom Versicherer bezieht."
Stehen Harstorff und die WISO-Redaktion also über dem BGH?

Dass sich das ZDF hier vor den Werbekarren eines Versicherungsberaters spannen lässt, ist sehr bedauerlich. Aber auch konsequent. Denn das ZDF poltert nicht zu ersten Mal gegen Provisionen und Courtagen und bezieht damit eindeutig Stellung im Streit um die Berufsbilder Versicherungsmakler und Versicherungsberater. Allerdings ohne zu erwähnen, dass Experte Harstorff im Bezug auf Makler eben alles andere als neutral ist.

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