Run-Off: Was Makler wissen sollten

Berater Top News LV-Check von Martin Thaler

Immer mehr Lebensversicherer schicken Lebensversicherungsbestände in den Run-Off. Doch was kommt damit auf den Makler zu? procontra sprach zu diesem Thema mit dem Hamburger Rechtsanwalt Jens Reichow.

Erklärt, was Makler im Falle eines Run-Offs zu beachten haben: Rechtsanwalt Jens Reichow.

Erklärt, was Makler im Falle eines Run-Offs zu beachten haben: Rechtsanwalt Jens Reichow. Foto: Jöhnke & Reichow

Die Ankündigungen von Generali und Ergo, Lebensversicherungs-Bestände in den Run-Off zu schicken, haben in den vergangenen Tagen deutschlandweit hohe Wellen geschlagen. Im Fokus der medialen Berichterstattung stand dabei meist die Frage, was es denn nun für den Kunden zu beachten gebe. Die Frage, was der Makler zu beachten hat, blieb dabei außen vor. procontra sprach aus diesem Grunde mit  Rechtsanwalt Jens Reichow von der Hamburger Kanzlei Jöhnke & Reichow.

procontra: Wird das Thema Run-Off auf dem deutschen Markt Ihrer Meinung nach in den kommenden Jahren weiter an Fahrt gewinnen?  

Jens Reichow: Die Entwicklung der kommenden Jahre abzuschätzen ist natürlich immer sehr schwer. Jedoch sehen wir bereits seit einigen Jahren, dass Lebensversicherer in Bedrängnis geraten, den gesetzlichen Garantiezins zu erwirtschaften. Solange die aktuelle Niedrigzinsphase andauert, muss daher befürchtet werden, dass weitere Lebensversicherer am deutschen Markt ihr Neugeschäft einstellen.

procontra: Muss der Makler beim Run-Off einen Verlust seiner Bestandsprovision bzw. im Fall eines Stornos des Kunden seiner Abschlussprovision fürchten?

Reichow: Bezüglich der Bestands- und Abschlussprovisionen bleibt alles beim Alten. Soweit eine Vermittlung bereits erfolgt ist, hat der Makler weiterhin einen Anspruch auf die vereinbarte Vergütung (Bestandsprovision wie Abschlussprovision), solange der Vertrag nicht storniert wird.

procontra: Inwiefern muss der Makler seine Kunden im Falle eines Run-Offs informieren?

Reichow: Die Beratungspflichten des Maklers nach Abschluss des vermittelten Versicherungsvertrages sind unter Juristen höchst umstritten. Ob eine Informationspflicht besteht, hängt dabei auch oftmals von der genauen Ausgestaltung des Maklervertrages ab. Jedenfalls empfiehlt es sich jedoch aus Maklersicht den Kunden im Falle eines Run-Offs zu informieren, um bereits im Voraus Bedenken der Kunden zu begegnen. Gemeinsam mit dem Kunden sollte dann entschieden werden, ob die Versicherung fortgeführt wird. Gerade bei Altverträgen ist dies regelmäßig sinnvoll.

procontra: Erwarten Sie durch die kommende Run-Off-Welle Probleme auf die Makler zukommen? Wie können sich diese am besten vorbereiten?

Reichow: Durch den Run-Off einzelner Lebensversicherer wird der Markt und damit das Angebot von Lebensversicherer natürlich kleiner. Makler sollten daher bei der Auswahl des Versicherers einschätzen, wie groß die Gefahr ist, dass der konkrete Versicherer möglicherweise von einem Run-Off betroffen ist. Makler sollten dabei verstärkt erwägen, gemeinsam mit dem Kunden in Produkte ohne garantierte Mindestverzinsung zu investieren. Dies ist natürlich nur möglich, wenn das Risikoprofil des Kunden dies zulässt.

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