Muss die Wohngebäudeversicherung eine Baumfällung bezahlen?

Berater Recht & Haftung von Martin Thaler

Ein Baum drohte nach einem Sturm auf ein Haus zu stürzen, dessen Besitzerin ließ ihn daraufin fällen. Für die Kosten wollte die Versicherung jedoch nicht aufkommen - zurecht?

Ein Baum in Schieflage - muss die Versicherung für die Fällung aufkommen?

Ein Baum in Schieflage - muss die Versicherung für die Fällung aufkommen? Foto: Antranias - Pixabay.de

Muss die Versicherung für die Fällung eines Baumes zahlen, wenn dadurch ein möglicher Schaden an einem benachbarten Haus verhindert werden kann? Einen Fall mit einer solchen Fragestellung hatten nun die Richter des Amtsgerichts München auf ihrem Tisch (Az: 155 C 510/17).  

Was ist passiert?  

Im März 2015 hatte der Sturm „Niklas“ den Wurzelballen eines Baums in der Nähe des Hauses einer Versicherungsnehmerin gelockert – der Baum geriet daraufhin in Schieflage und drohte auf das Haus der Frau zu fällen. Im Mai genehmigte die Lokalbaukommission die Fällung des Baums aufgrund der Gefahrenlage. Die Frau schritt zur Tat und zahlte für die Fällung insgesamt 1,515,47 Euro sowie weitere 60 Euro für den Bescheid der Lokalbaukommission. Das Geld wollte sie im Anschluss von ihrer Wohngebäudeversicherung erstattet bekommen, doch diese weigerte sich. Schließlich sei kein Versicherungsfall eingetreten. Daraufhin zog die Frau vor Gericht.  

Das Urteil  

Die Richter des Münchener Amtsgerichts schlossen sich der Auffassung der Versicherung an und lehnten die Klage ab. Das Gericht verwies auf den Wortlaut der Versicherungsvereinbarung (Schäden sind ersatzfähig, die dadurch „entstehen, dass der Sturm (...), Bäume (...) auf versicherte Sachen wirft“), nach der ein Versicherungsfall noch nicht eingetreten sei. Schließlich sei der Baum weder durch den Sturm vollständig umgestürzt, noch sei das Haus der Versicherungsnehmerin beschädigt worden.  

Zwar habe der Versicherer grundsätzlich auch Maßnahmen zu zahlen, die der Abwendung eines bevorstehenden Schadens dienen.  

Allerdings habe man von einem unmittelbar bevorstehenden Versicherungsfall nicht ausgehen können. Denn dafür hätte der Baum durch einen erneuten Sturm umstürzen müssen. Die Lokalbaukommission hatte aber sofortigen Handlungsbedarf zur Fällung des Baumes gesehen, da sie ein Umstürzen des Baumes aufgrund der Schwerkraft bzw. anderer Umwelteinflüsse befürchtete. Solche fielen allerdings nicht unter den Versicherungsschutz.  

Dass der Baum bereits seit zwei Monaten in Schieflage über dem Haus der Klägerin hing, sei kein Argument dagegen, dass der Baum durch seine eigene Schwerkraft noch umfallen könne, so die Richter.   Das Urteil ist rechtskräftig.

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