MiFID II: Provisionen unter Auflage

Investmentfonds von Jan F. Wagner

Auch unter MiFID II können Anlageberater Provisionen kassieren, wenn sie Fonds verkaufen. Dafür müssen sie allerdings eine Reihe von Auflagen erfüllen. Diese sollen die Transparenz und Qualität der Beratung erhöhen. Worauf es nun ankommt.

Unter MiFID II könnte die Vermittlung von Fonds beinahe zu einer Aufgabe für Superhelden werden.

Unter MiFID II könnte die Vermittlung von Fonds beinahe zu einer Aufgabe für Superhelden werden. Illustration: Roman Kulon

Sollten Anlageberater in Deutschland wegen der EU-Finanzmarktrichtlinie MiFID II schlecht geschlafen haben, ist das nur allzu verständlich. Bis vor Kurzem war noch unklar, ob die Richtlinie ein Verbot von Provisionen beim Verkauf von Geldanlagen enthalten würde. Die Bundesregierung hat aber Entwarnung gegeben. Die Verordnung, die MiFID II in deutsches Recht umsetzt, enthält kein entsprechendes Verbot. Gerade für die deutsche Anlageberatung wäre ein solches sehr negativ gewesen.

Denn: Nahezu alle Geldanlagen wie Investmentfonds werden in Deutschland auf Provisionsbasis verkauft. Bei einem Verbot hätten die Verkäufer solcher Anlagen, darunter viele Bankberater und freie Vermittler, um ihre berufliche Existenz bangen müssen.

Es gibt aber auch gute Gründe, die gegen die Vereinnahmung von Provisionen bei einer Anlageberatung sprechen. Deswegen wurde das Verbot auf EU-Ebene ernsthaft diskutiert. Provisionen können falsche Anreize setzen. Beispiel: Der Berater selektiert einen Fonds, weil ihm dieser die größte Provision verspricht, und nicht, weil das Produkt am besten zu den Bedürfnissen des Kunden passt. Jedenfalls steht die deutsche Variante von MiFID II, die Anfang 2018 in Kraft tritt, für eine Reform der Provisionsberatung. Das heißt, dass Bankberater und freie Vermittler neue Auflagen erfüllen müssen, wenn sie auf Provisionsbasis arbeiten wollen. Es fängt schon damit an, dass die Anlageberater ständig an der „Qualität“ ihrer Dienstleistung arbeiten müssen.

Geeignetheitserklärung ersetzt Beratungsprotokoll

Interessanterweise erfüllen die Banken und Sparkassen die Qualitätsanforderung ohne weitere Anstrengung. Dazu erklärt ein Sprecher des deutschen Bankenverbands: „Um die Provisionsberatung anbieten zu können, müssen die Banken dem Kunden einen Mehrwert bieten. Gewährleistet werden kann dieser durch ein weitverzweigtes Filialnetz oder durch den Zugang zu einer breiten Produktpalette.“ Das Bundesfinanzministerium teilte auf Nachfrage mit, das Filialnetz reiche tatsächlich aus, da damit die Finanzversorgung von Kunden in „ländlichen oder dünn besiedelten Regionen“ gesichert sei.

Das heißt aber nicht, dass für die Anlageberater bei Banken unter MiFID II alles beim Alten bliebe. So müssen sie dem Kunden zukünftig explizit mitteilen, dass sie eine Provision für den Fondsverkauf erhalten und auch welche Höhe diese hat. Vor dem konkreten Abschluss müssen sie alle Kosten ausweisen, darunter die Vertriebskosten wie Provisionen und die Verwaltungsgebühren für die Anlage.

Das Beratungsprotokoll wird ferner durch eine sogenannte „Geeignetheitserklärung“ ersetzt. Was das ist, beschreibt Daniel Berger, Partner bei Wirth-Rechtsanwälte in Berlin: „Die Erklärung muss darlegen, wie die Empfehlung auf die persönlichen Umstände des Kunden abgestimmt ist. Eine lediglich schlagwortartige Nennung der wesentlichen Gründe für die Empfehlung dürfte dann nicht mehr ausreichen.“ Unter MiFID II müssen Bankberater außerdem Fortbildungen besuchen, um sich zusätzlich zu qualifizieren. Auch sollen Beratungsgespräche am Telefon automatisch aufgenommen und für einige Jahre gespeichert werden. Insgesamt sind die Auflagen zu begrüßen. Der Kunde wird zum Beispiel aufgrund einer höheren Kostentransparenz besser einschätzen können, ob der ihm empfohlene Fonds wirklich besser ist als die Marktrendite.

Seite 1: Deutlich mehr Transparenz in der Fondsanlage
Seite 2: Folgeprovisionen weiterhin möglich

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare