LVRG: Ist ein Provisionsdeckel das geringste Übel?

Berater Top News von Martin Thaler

Im kommenden Jahr steht die Evaluierung des Lebensversicherungsreformgesetzes an. Die Branche erwartet teils deutliche Verschärfungen, wie eine Podiumsdiskussion auf der DKM offenbarte.

Fachjournalist Dr. Marc Surminski (rechts) diskutierte auf der DKM über künftige Regulierungsmaßnahmen.

Fachjournalist Dr. Marc Surminski (rechts) diskutierte auf der DKM über künftige Regulierungsmaßnahmen. Foto: procontra

Nach der Regulierung ist vor der Regulierung. Diese frei nach dem ehemaligen DFB-Nationaltrainer Sepp Herberger hergeleitete Weisheit lässt sich gerade gut auf die Versicherungsvermittlung anwenden. Nachdem in den vergangenen Monaten unter anderem die IDD und MiFID II die Schlagzeilen der Fachpresse bestimmten und bei vielen Versicherern aufgrund der Vielzahl unbestimmter Rechtsbegriffe noch für zahlreiche Fragezeichen sorgen, steht im kommenden Jahr die Evaluierung des Lebensversicherungsreformgesetzes (LVRG) an.  

Doch welche Folgen wird dieses für die Branche haben? Die Erwartungen zumindest sind düster, wie eine Diskussionsrunde zum Thema auf der diesjährigen Branchen-Messe DKM erkennen ließ. „Wir müssen uns auf einen Provisionsdeckel einstellen“, ist Michael Dreibrodt, Vorstandsvorsitzender der MyLife Lebensversicherungs AG überzeugt. Dabei wäre dieser womöglich gar noch das „geringste Übel“, auch die Einführung eines Provisionsverbotes hält Dreibrodt für denkbar.  

Branche muss auf Politik zugehen

Deutliche Eingriffe erwartet auch Rainer M. Jacobus, Vorstandsvorsitzender der Ideal. Da im kommenden Jahr wohl auch eine von der Branche geforderte Anpassung der Zinszusatzreserve (ZZR) ins Haus stehe, erwartet Jacobus eine Art Kuhhandel. „Erleichterungen bei der ZZR wird es nur gegen eine Kompensation geben“, zeigt sich Jacobus überzeugt. Hierzu trage auch die gegenwärtige Run-Off-Debatte ihren Teil bei.

Eine solche Kompensation wäre dann womöglich die Einführung eines Provisionsdeckels im Lebensversicherungs-Segment. Die Frage, die sich dann stellt, ist die, bei welcher Grenze dieser gezogen wird. „25 Promille wären hier noch das Best-Case-Szenario“, so Jacobus. Die Versicherungswirtschaft sei aufgerufen, selbst mit geeigneten Vorschlägen an die Politik heranzutreten, bevor ihr ein Gesetz übergestülpt werde, fordert daher der Ideal-Vorsitzende.  

Nicht ganz so pessimistisch fiel indes die Einschätzung von Hermann Schrögenauer, Vertriebsvorstand der LV 1871 aus. „Beratung muss eine hohe Wertigkeit haben“, erklärte Schrögenauer und verband diese Aussage mit der Einschätzung, dass dies auch von der Politik erkannt werde.  

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