IGVM: Weiterbildung nur eine von vielen IDD-Schwachstellen

Berater IDD von Florian Burghardt

Die Interessengemeinschaft Deutscher Versicherungsmakler hat mit Wilfried E. Simon einen neuen Vorsitzenden. procontra erzählte er, wo er die größten Maklerprobleme sieht, was man dagegen tun kann und warum er kein gutes Haar an den Grünen lässt.

Will in Sachen IDD mit der IGVM auch in Zukunft auf der politischen Bühne präsent sein: Der neue Vorstandsvorsitzende, Wilfried E. Simon.

Will in Sachen IDD mit der IGVM auch in Zukunft auf der politischen Bühne präsent sein: Der neue Vorstandsvorsitzende, Wilfried E. Simon. Bild: IGVM

Die Interessengemeinschaft Deutscher Versicherungsmakler (IGVM) hat bei ihrer jüngsten Mitgliederversammlung einen neuen Vorstand gewählt. Der bisherige Vorsitzende, Matthias Glesel, hat aus beruflichen Gründen nicht erneut kandidiert. Sein Nachfolger ist der bisherige stellvertretende Vorstandsvorsitzende, Wilfried E. Simon. Zu seinem Amtsantritt wollte procontra von ihm wissen, wie es um die Makler steht.  

procontra: Wo sehen Sie momentan die größten Probleme für den Berufsstand Versicherungsmakler?

Wilfried Simon: Die Umsetzung der IDD liegt inzwischen hinter uns. Das Ergebnis kann insgesamt nicht befriedigen. Es konnte zwar schlimmeres verhindert werden, doch der Berufsstand der Versicherungsmakler ging leider nicht gestärkt aus dem Gesetzgebungsverfahren hervor. Die IGVM hatte in ihren Stellungnahmen mit der Unterstützung von vier renommierten Wissenschaftlern gefordert, die Honorarberatung als erklärtes Ziel der großen Koalition dadurch wirklich zu stärken, indem man dem österreichischen Modell folgen sollte, in dem die Berufe Versicherungsmakler und -berater vereinigt sind. Das ist leider nicht geschehen. Nun steht die Änderung durch Anpassung der Verordnung über die Versicherungsvermittlung und -beratung als separater Bereich der IDD-Umsetzung an.  

Hier gibt es nach unserer Auffassung einiges an Änderungsbedarf. Ein Punkt davon betrifft die Fortbildung. Die IGVM wird auch hier wieder auf der politischen Bühne präsent sein und sich dafür stark machen, dass künftig wirklich nur noch qualifizierte Fortbildung mit Fortbildungspunkten bedacht wird. Dabei wird eine der brisanten Fragen sein, ob Onlineveranstaltungen hierfür zugelassen und wie eine aktive Teilnahme überprüft werden kann oder ob nur die Teilnahme an Präsenzveranstaltungen hierfür zugelassen wird. Auch die Fortbildung in eigener Regie sollte nach unserer Vorstellung bei der Gesamtfortbildung von 15 Stunden angemessen berücksichtigt werden, ähnlich wie bei den Fachanwälten. Denn auch die Lektüre von Fachzeitschriften und Urteilsdiensten dienen der Fortbildung und sind insbesondere bei Versicherungsmaklern ohnehin unverzichtbar.      

procontra: Was können Sie als neu gewählter IGVM-Vorsitzender gegen diese Probleme und für Ihre Mitglieder beziehungsweise für alle Makler tun??  

Simon: Ein Einzelner wird sicher nicht entscheidend für Veränderungen sorgen können – seien sie auch noch so wichtig und sinnvoll. Die Kooperation und Koordination der wichtigsten Versicherungsmaklerverbände scheint mir da eher die richtige Plattform dafür zu sein. Wenn wir uns die Umsetzung der IDD anschauen, dann konnten einem die Bundestagsabgeordneten schon etwas leidtun, insbesondere die Ausschussmitglieder des 9. Wirtschaftsausschusses. Unzählige Stellungnahmen, die teils inhaltsgleich waren, sollten gelesen und ausgewertet werden. Eine schier unlösbare Aufgabe.  

Hier wünsche ich mir, dass sich die Versicherungsmaklerverbände künftig besser abstimmen. Insbesondere bei den Bundestagsabgeordneten der Fraktionen Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke musste der aufmerksame Beobachter den Eindruck gewinnen, dass diese entweder die Stellungnahmen mit ausführlichen Begründungen nicht gelesen oder wirklich nichts davon verstanden haben. Dann aber sollte man sich auch zurückhaltender geben.       

procontra: Nicht nur bei der IGVM wurde gewählt. Was erhoffen Sie sich für Ihren Berufsstand von der neuen Bundesregierung?  

Simon: Nehmen wir einmal an, dass es zu einer Jamaika-Koalition kommt. Dann könnte die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen ihre Forderungen nach Festigung der Honorarberatung mit unrealistischen Forderungen in die Koalitionsverhandlung einbringen und daran auch eine Regierungsbeteiligung knüpfen. Die Redebeiträge dieser Fraktion im Deutschen Bundestag waren alles andere als fachmännisch geprägt und machten sehr deutlich, dass man in dieser Partei völlig realitätsfern denkt. Denn eine Honorarberatung, die nur wenige wollen oder sich leisten können, wenn es um die Beratung vorhandener oder neuer Verträge geht, ist ganz gewiss nicht zielführend. Daran wird sich auch nichts ändern, wenn ab 2018 Versicherungsberater dann auch Policen vermitteln dürfen. Das durften die 307 Versicherungsberater seit 2007 bereits schon, es sei denn, die IHK hätte dies explizit als Auflage untersagt.  

Andererseits kann es aber auch nicht sein, dass Versicherungsmakler zur umfassenden Beratung gesetzlich verpflichtet sind, jedoch bei Verbrauchern gehindert sind, ihre Dienstleistung nach der derzeit herrschenden Meinung dem Nutznießer der Beratung angemessen in Rechnung zu stellen. Hier besteht Rechtsunsicherheit, die schnellstens beseitigt werden muss. Die IGVM erhofft sich von der neuen Bundesregierung, dass das Versäumte aus der IDD-Umsetzung in der 19. Legislaturperiode rasch nachgeholt wird und will sich dafür einsetzen, dass der Status und Berufsstands des Versicherungsmaklers nachhaltig gestärkt wird. Als Vorbild verfolgen wir dabei das österreichische Modell, wo dies alles in einem Maklergesetz vorbildlich geregelt ist und auch vortrefflich funktioniert. Der Mandant kann wählen, ob er von seinem Berater und Vermittler gegen gesondertes Entgelt oder durch Courtage beraten werden möchte. In der IDD kommt das Wort Versicherungsberater nicht einmal vor. Bei nur 307 Berufsträgern – und die Anzahl ist seit 2007 nur leicht angestiegen – stellt sich in der Tat nicht mehr die Frage, ob beide Berufe zusammengelegt werden sollen.        

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