„Hauptleidtragende sind die Vermittler“

Berater Top News von Florian Burghardt

Run-off, Niedrigzins und Regulierung verunsichern Kunden und Versicherungsmitarbeiter. Wie schlecht geht es der Lebensversicherung und welche Zukunft haben Makler? Das und mehr fragte procontra Dr. Armin Zitzmann, Vorstandschef der Nürnberger Versicherungsgruppe.

Unter anderem wie Vermittler auch in Zukunft erfolgreich arbeiten können, erklärte Dr. Armin Zitzmann im Interview mit procontra.

Unter anderem wie Vermittler auch in Zukunft erfolgreich arbeiten können, erklärte Dr. Armin Zitzmann im Interview mit procontra. Bild: Nürnberger

procontra: Die Nürnberger hat öffentlichkeitswirksam einen Run-off ihrer Vertragsbestände in der Lebensversicherung ausgeschlossen. Bei der anhaltenden Niedrigzinsphase: Wie lange wird diese Aussage Bestand haben?

Dr. Armin Zitzmann: Diese Aussage hat dauerhaft Bestand. Die Niedrigzinsphase haben wir jetzt schon länger und wir können diese Aussage trotzdem treffen.

procontra: Was könnte passieren, damit sich an der Aussage etwas ändert?

Zitzmann: Gar nichts. Ich kann mir das nicht vorstellen. Wir sind ein großer deutscher Lebensversicherer und die Lebensversicherung ist und bleibt unser Kerngeschäft.  

procontra: Viele Versicherte sind durch die öffentliche Run-off-Debatte und Berichte in Breitenmedien, etwa zu Ergo und Generali, verunsichert. Wie schätzen Sie den daraus resultierenden Vertrauensverlust für die Branche ein?

Zitzmann: Natürlich ärgert es mich als Vorstand eines großen Versicherers, der hauptsächlich Lebensversicherungen verkauft, dass die Diskussion suggeriert, die ganze Branche würde sich jetzt mit Run-off-Gedanken tragen. Das sind nur einige wenige Versicherer. Die Vorgaben, die die BaFin bei einem Run-off macht, sind so eng, dass für die Kunden keine Risiken bestehen, was die Erfüllung ihrer garantierten Leistungen betrifft. Das ist die objektive Seite.

Eine subjektive Verunsicherung ist sowohl bei den Kunden als auch bei der Politik da. Aber wen es am meisten trifft, das sind die Vermittler. Die haben nämlich irgendwann einmal ihren Kunden davon überzeugt – entweder als Makler oder als AO-Agent – dass das Produkt der XY-Versicherung das Richtige ist. Aber plötzlich wird dieses Produkt von irgendeinem anderen Spezialunternehmen geführt, das nur Run-off macht. Und das muss der Vermittler jetzt erklären. Für das Erklären bekommt er aber keinen Euro. Er muss nun seine damalige Entscheidung verteidigen. Ich glaube, dass weniger die Kunden, aber mehr die Vermittler mit diesem Thema zu kämpfen haben. Auch deswegen die klare Aussage der Nürnberger: Was einmal als Nürnberger verkauft wurde, bleibt auch Nürnberger.

procontra: Immer mehr Versicherer setzen verstärkt auf fondsgebundene Versicherungen. Wie handhabt das die Nürnberger und warum?

Zitzmann: Wir haben schon 1971 damit begonnen, fondsgebundenes Geschäft zu zeichnen. In unseren Beständen beim laufenden Beitrag haben wir einen Anteil an fondsgebundenem Geschäft von rund einem Drittel. Im Neugeschäft sogar schon über 40 Prozent. Dann haben wir einen Anteil von ungefähr einem Drittel im BU-Geschäft, das nicht zinssensitiv ist und wo ein Run-off gar keinen Sinn macht, weil wir damit ja Gewinne erzielen. Und wir haben als einer der ersten am Markt, schon vor 20 Jahren, Tarife mit niedrigeren Garantien auf den Markt gebracht, wie unseren Konzepttarif. Das heißt, die Garantien, die wir geben müssen, die halten wir trotz der Niedrigzinsphase relativ entspannt aus. Damit ist die Strategie der Nürnberger seit den 70er, 80er Jahren einfach aufgegangen. Wir sind nicht so zinssensitiv wie unsere Wettbewerber.

procontra: Haben Garantieprodukte ausgedient?

Zitzmann: Ja und nein. Garantieprodukte in der traditionellen Form haben für mich ausgedient. Dass wir aber dem deutschen Lebensversicherungskunden in irgendeiner Form Garantien geben müssen, um uns von dem reinen Aktieninvestment abzuheben, das steht für mich außer Frage.

Seite 1: Ärger über Run-off-Gerüchte 
Seite 2: Braucht es einen Leben-Provisionsdeckel?
Seite 3: So haben Makler eine gute Zukunft

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare