Fitch erhöht Run-Off-Prognose

Versicherungen von Martin Thaler

Mit dem Run-Off der Leben-Bestände von Generali und Ergo ist noch lange nicht Schluss, glaubt die Ratingagentur Fitch. Das Run-Off-Volumen soll in den kommenden Jahren auf 180 Milliarden Euro steigen.

Die Run-Offs von Generali und Arag sind noch lange nicht das Ende des Run-Off-Booms, glauben die Analysten von Fitch.

Die Run-Offs von Generali und Arag sind noch lange nicht das Ende des Run-Off-Booms, glauben die Analysten von Fitch. Foto: Tumisu - Pixabay.de

Das Thema Run-Off von Lebensversicherungen sorgte in den vergangenen Wochen für Schlagzeilen in Deutschland. Dies lag daran, dass die beiden großen Anbieter Generali und Ergo ankündigten, ihre Bestände in den Run-Off zu schicken. Dies sorgte nicht nur bei Verbraucherschützern für Ärger, auch rumort es bei der Ergo angesichts des angekündigten externen Run-offs in der Belegschaft.  

Dabei könnte die Auslagerung der klassischen Lebensversicherungs-Bestände in Deutschland weiter an Fahrt gewinnen, schätzt Fitch. So korrigierte Fitch seine Einschätzungen über das Run-Off-Volumen in den kommenden fünf Jahren in Deutschland nach oben. Statt bei 150 Milliarden Euro solle es 2022 nun bei 180 Milliarden Euro liegen, zeigt sich die Ratingagentur überzeugt.  

Ursächlich für die Tatsache, dass immer mehr Lebensversicherer einen Run-Off ihrer klassischen Lebensversicherungsbestände in Erwägung ziehen, sind die aufgrund der Niedrigzinsen geringen Erträge sowie die höheren Kapitalanforderungen (Stichwort: Solvency II), die die Wirtschaftlichkeit klassischer Lebensversicherungen mit Garantiezinsen immer mehr erschweren.  

Fitch äußerte die Vermutung, dass die Versicherer den Run-Off zur Kürzung der Überschüsse an die Lebensversicherungskunden nutzen – schließlich müssten sie mit hohen Überschüssen keine Neukunden mehr überzeugen. Die gleiche Befürchtung äußerte zuletzt auch Axel Kleinlein, Sprecher des Bundes der Versicherten (BdV).

Um Verwaltungskosten einzusparen, könnten immer mehr Versicherer versucht sein, ihre Bestände an eine externe Run-Off-Plattform zu übertragen. Diese hatten in der Vergangenheit jedoch nur kleinere Bestände, wie das LV-Geschäft der ARAG und Basler (beide durch die Frankfurter-Neue-Leben-Gruppe übernommen) oder der ehemaligen Mannheimer Leben (durch Viridium übernommen). Darüber hinaus sind die Unternehmen MyLife und Athene am Markt aktiv, letzterer hatte erst kürzlich für Übernahmen in Europa zwei Milliarden Euro bei seinen Investoren eingesammelt. Eine Übernahme in der Größenordnung der Ergo- bzw. Generali-Bestände wäre allerdings Neuland in Deutschland.

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