Risikoforschung: Professor rät zum BU-Abschluss

Berater Top News von Florian Burghardt

Die Menschen setzen bei Entscheidungen gerne auf ihr Bauchgefühl. Doch was, wenn dieses fehlgeleitet ist? Warum wir weniger Angst vor Terror haben und eine BU-Versicherung abschließen sollten, erklärt Professor Horst Müller-Peters von der TH Köln.

Wundert sich, dass viele seiner Studenten nicht über die Handy-Display-Versicherung hinausdenken: Professor Horst Müller-Peters von der TH Köln.

Wundert sich, dass viele seiner Studenten nicht über die Handy-Display-Versicherung hinausdenken: Professor Horst Müller-Peters von der TH Köln. Bild: Selina Pfrüner / POSITIONEN

Die Menschen verlassen sich bei ihren Entscheidungen, wie sie mit Risiken umgehen, häufig nicht auf Fakten, sondern auf ihr Bauchgefühl. Das ist beim Weg zur Arbeit genauso wie beim Abschluss von Versicherungen. Doch dieses Bauchgefühl leidet unter einer verzerrten Wahrnehmung, so die These, die Professor Horst Müller-Peters im Interview mit dem Positionen-Magazin des GDV äußert. Diese würde auch beeinflussen, dass die Kunden sich beim Versicherungsschutz irrational entscheiden.

Müller-Peters betreibt Risikoforschung am Institut für Versicherungswesen der TH Köln. Er hat einen Selbsttest zur Risikoeinschätzung mitentwickelt, der den Nutzern zeigen soll, wie verhältnismäßig ihre Angst vor etwas zu dessen wahrscheinlichem Eintritt ist. Aus ähnlichen Befragungen liegen bereits Ergebnisse vor. Der Professor erklärt:

Irrationale Ängste

„Absolut überschätzt wird Terrorismus. Dennoch bekommt er eine ungeheure Aufmerksamkeit – das ist ja auch das Prinzip dahinter. Trotzdem kann man das Risiko eines Anschlags in Europa eigentlich absolut vernachlässigen. Ähnlich falsch ist die Risikoeinschätzung in Bezug auf Flugzeugabstürze. In beiden Fällen gilt: Das Gefährlichste ist in der Regel die Anreise mit dem Auto – ob zum Flughafen oder eben zum Großevent.“

Die Zahlen geben Müller-Peters Recht. Laut dem aktuellen Terrorismusbericht der europäischen Polizeibehörde Europol kamen im vergangenen Jahr in ganz Europa 142 Menschen durch Terroranschläge ums Leben. Parallel dazu starben 3.214 Menschen bei Unfällen in Deutschlands Straßenverkehr. Bei der jährlichen Umfrage der R+V Versicherungen „Die Ängste der Deutschen“ steht Terrorismus auch in diesem Jahr auf Platz eins. Verkehrsunfälle haben es nicht in die Top 10 geschafft.

Unbedingt BU-versichern

Für das verzerrte Bauchgefühl sind laut dem Professor unter anderem die Medien verantwortlich. Die Herausstellung besonderer Ereignisse unter Schlagzeilen, wie eben Terroranschläge, würden eine besondere Aufmerksamkeit schaffen und uns dazu bringen, zum Beispiel die Zahl der Toten durch Herz­-Kreislauf­-Erkrankungen zu unterschätzen.

Genau in diesem Bereich sieht Müller-Peters aber Handlungsbedarf. Zwar sollte man nicht in ständiger Angst vor Berufsunfähigkeit leben, sich aber unbedingt gegen diese absichern, erklärt er gegenüber dem GDV und ergänzt: „Ich frage meine Studenten oft, was ihr wertvollstes Gut ist: ihre Arbeitsfähigkeit. Damit werden sie ja ihr ganzes Leben und womöglich das ihrer Familie finanzieren. Trotzdem sind viele gegen kaputte Handy-Displays versichert, aber nicht gegen Berufsunfähigkeit.“

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