Psychische Erkrankungen: Doppelte Ausfallzeit

Berater von Michael Fiedler

Schwere Erkrankungen in der Familie, Trennung oder der Tod eines Angehörigen - jeder zweite Beschäftigte hat bereits kritische Lebensereignisse erlebt – wie Betroffene und Unternehmen damit umgehen, hat der aktuelle Fehlzeitenreport 2017 der AOK untersucht.

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Wie lange und warum waren Beschäftigte arbeitsunfähig? Diese Frage beantwortet der Fehlzeiten-Report der AOK. Fotolia / M. Schuppich

Trotz Krise auf Arbeit – das kennt fast die Hälfte der für den aktuellen Fehlzeitenreport der AOK Befragten. Das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) untersuchte dafür in einer repräsentativen Befragung von 2.000 Beschäftigten, welche Lebensereignisse als krisenhaft empfunden werden und wie sich das beispielsweise auf die Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz auswirkt.

So berichtet die Hälfte der Befragten (52 Prozent) über kritische Lebensereignisse. Die Unterschiede zwischen Frauen und Männern seien dabei marginal, so Helmut Schröder, Stellvertretender Geschäftsführer des WIdO. Der Einfluss des Alters ist hingegen groß: Der Anteil der Betroffenen steigt mit zunehmendem Alter. Aktuell oder in den letzten fünf Jahren von einem kritischen Lebensereignis betroffen, waren etwas mehr als ein Drittel der Beschäftigten unter Dreißig (37,6 Prozent). Bei den 50- bis 65-Jährigen liegt der Anteil mit 64,7 Prozent deutlich höher.
Gefragt nach dem schlimmsten Ereignis sind die häufigsten Antworten:

  • „schwere Erkrankungen in der Familie“ (13,8 Prozent)
  • „belastenden Konflikten im privaten Umfeld“ (13,4 Prozent)
  • „Trennung“ (12,9 Prozent)
  • „Tod eines Familienangehörigen“ (10,2 Prozent)
  • „Mobbing oder Streit am Arbeitsplatz“ (8,9 Prozent)

Auch hier werden Unterschiede zwischen den Altersgruppen deutlich: Jüngere Erwerbstätige berichten neben privaten Konflikten eher über Streit oder Mobbing am Arbeitsplatz, während bei älteren Erwerbstätigen Krankheiten oder der Tod eines Familienangehörigen eine größere Rolle spielen.

Wer von solch einem krisenhaften Ereignis betroffen ist, fühlt sich auch in seiner beruflichen Leistungsfähigkeit eingeschränkt (53,4 Prozent). Ähnlich viele Menschen geben an, trotz einer Erkrankung in diesem Kontext zur Arbeit gegangen zu sein (48,8 Prozent). Mehr als ein Drittel fühlte sich aufgrund des kritischen Lebensereignisses unzufrieden mit der Arbeit (37,3 Prozent) oder hat sich häufiger krankgemeldet (34,1 Prozent).

Psychisch erkrankt? Doppelte Ausfallzeit!

Nach Auswertungen der AOK sind Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen in den letzten zehn Jahren konstant gestiegen. Es sei eine Zunahme um 79,3 Prozent zu verzeichnen, so die Kasse. Zudem führen psychische Erkrankungen zu langen Ausfallzeiten. Mit 25,7 Tagen je Fall dauerten sie mehr als doppelt so lange wie der Durchschnitt mit 11,7 Tagen je Fall.
Insgesamt ist der Krankenstand im Jahr 2016 im Vergleich zum Vorjahr mit 5,3 Prozent gleich geblieben. Damit hat jeder Beschäftigte im Durchschnitt 19,4 Tage aufgrund einer ärztlichen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung im Betrieb gefehlt.

Fehlzeiten-Report 2017: Weitere Ergebnisse im Video

 

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