Kommt der LV-Deckel nach der Bundestagswahl?

Berater Top News von Michael Fiedler

Im Leben-Bereich könnte nach der Bundestagswahl 2017 eine Deckelung der Provisionen und Courtagen anstehen, mahnte Dr. Hans-Georg Jenssen (VDVM) auf dem 14. Norddeutschen Versicherungstag in Hamburg. Worauf sich Vermittler einstellen müssten und warum die Neuausrichtung vom Versicherungsberater ein Bärendienst am Verbraucherschutz sein kann.

Dr. Hans-Georg Jenssen, VDVM

Geschäftsführender Vorstand des VDVM: Dr. Hans-Georg Jenssen. Hier auf dem 14. Norddeutschen Versicherungstag in Hamburg. Bild: procontra

„Bis zur Bundestagswahl werden Sie kaum von Problemen der Lebensversicherer lesen“, so Dr. Hans-Georg Jenssen, geschäftsführender Vorstand des VDVM, auf dem 14. Norddeutschen Versicherungstag in Hamburg.
Das werde sich nach den Bundestagswahlen allerdings ändern, so Dr. Jenssen. An die Zuhörer des Vortrags „IDD – Herausforderungen für den Versicherungsvertrieb“ gerichtet, sagte er, dass mit einer Deckelung der laufenden Vergütung (Provisionen/Courtage) im Leben-Bereich zu rechnen sei. Bestenfalls, so Dr. Jenssen, auf 25 Promille. Er berief sich dabei auf Meinungen aus der Politik, ohne dabei konkrete Namen zu nennen.

Details zur Weiterbildung im Oktober

Wenig Konkretes gab es auch in Sachen Weiterbildung zu vermelden. Denn wesentliche Detailfragen zur Umsetzung sind erst im Oktober zu erwarten, so Dr. Jenssen. Ungeklärt ist beispielsweise, was passiert, wenn jemand nicht auf die pro Kalenderjahr erforderliche Punktzahl kommt. Ähnlich gelagert ist der Fall bei unterjährigen Anstellungsverhältnissen, bei denen der neue Mitarbeiter die Punktzahl noch nicht erreicht hat.
Bereits länger bekannt – aber noch nicht sonderlich verbreitet – ist die Tatsache, dass auch Mitarbeiter im Innendienst von den Weiterbildungspflichten erfasst sind. Sowohl auf Vermittler- als auch auf Versicherer-Seite.

Provisionsabgabeverbot: „Nicht ewig von Bestand“

Dafür, dass der BVK das Provisionsabgabeverbot „durchgeboxt“ hat, gab es kurz zuvor auf dem Podium des Norddeutschen Versicherungstags noch Beifall. Tilman Freyenhagen verwies darauf, dass Gerd Billen (ehemals Verbraucherschutz, nun Staatssekretär im BMJV) ausdrücklich Michael Heinz und BVK als treibende Kraft hinter dem neuerlichen Provisionsabgabeverbot nennt. „Heinz und der BVK haben uns davon überzeugt, dass das Provisionsabgabeverbot keine gute Idee ist“, wurde Billen zitiert. Michael Heinz bestätigte; man habe viel Lobbyarbeit in Berlin geleistet. Er sei zu jeder Sitzungswoche in Berlin.
Wenige Minuten später äußerte sich Dr. Hans-Georg Jenssen in seinem Vortrag ebenfalls dazu. Aus seiner Sicht ist das Festhalten am Provisionsabgabeverbot mit Blick auf den europäischen Wettbewerb nicht lange haltbar.

Versicherungsberater? Warum nicht umfirmieren?

Der mit neuen Privilegien ausgestattete Beruf des Versicherungsberaters könnte ungewollt neue Geschäftsmodelle auf den Plan rufen, so Dr. Jenssen. Er bedauerte ausdrücklich, dass ein Maklergesetz nach österreichischem Vorbild hierzulande nicht umgesetzt worden sei. Stattdessen gäbe es nun den neuen Versicherungsberater, dem z.B. keine Stornohaftungszeiten auferlegt sind. Ob die Verbraucherschützer, die sich für dieses Berufsbild stark gemacht haben, sich und der Branche damit einen Gefallen getan haben, bezweifelt Jenssen. Denn die „Vorzugsstellung“ des Berufs könnte zu zahlreichen Umfirmierungen führen – gerade von Großvertrieben. „Was hindert zum Beispiel die DVAG daran, Versicherungsberater zu werden“, so Dr. Jenssen.

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