Institutionelle Anleger: Mietpreisbremse ungeeignet

Sachwerte von Michael Fiedler

Wahlkampfthema Mietpreisbremse. Welche Auswirkungen eine Verschärfung der Mietpreisbremse nach den Bundestagswahlen 2017 hätte, ist zumindest aus Sicht institutioneller Investoren klar.

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Bundestagswahl: Nachbesserungen an der Mietpreisbremse sind geplant. (Symbolbild) pixabay / pixel2013

Die Wohnungsmärkte, insbesondere in den Ballungsgebieten, seien „aus den Fugen“ geraten, die Bestandsmieten würden explodieren, warnte Lukas Siebenkotten, Bundesdirektor des Deutschen Mieterbundes (DMB), bereits im Frühjahr.
In einer jüngeren Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung heißt es dazu: „Da vor allem die Metropolen stark an Einwohnern gewinnen, sind sogar rund 80 Prozent der deutschen Großstadtbewohner mit angespannten Wohnungsmärkten konfrontiert. Das entspricht rund 20,4 Millionen Menschen oder einem Viertel der Gesamtbevölkerung in Deutschland.“

Die Parteien haben die mehr oder weniger funktionierende Mietpreisbremse auch als Wahlkampfthema entdeckt und unterschiedliche Haltungen bezogen (profino-Webinar-Aufzeichnung). So bekräftigte SPD-Kanzlerkandiat Martin Schulz, er wolle die Mietpreisbremse verschärfen.

Mietpreisbremse lässt Mieten trotzdem steigen

Doch der erhoffte Effekt – nämlich stabile Mieten – könnte ausbleiben. Davon gehen jedenfalls institutionelle Anleger aus, wie eine Online-Befragung von Rueckerconsult im Auftrag von Engel & Völkers Investment Consulting ergab.
Bei einer Verschärfung der Mietpreisbremse rechnen der Umfrage zufolge 58,5 Prozent der Befragten mit einem zunehmenden Investitionsstau bei Bestandswohnungen. 50,8 Prozent erwarten sogar steigende Mieten (siehe Grafik).
„Institutionelle Anleger sehen die Mietpreisbremse nicht als das geeignete Instrument an, um den Mietwohnungsmarkt zu regulieren“, so Kai Wolfram, Geschäftsführender Gesellschafter der Engel & Völkers Investment Consulting GmbH. „Schon heute kalkulieren Investoren bei Bestandsimmobilien mit einer sehr geringen Mietrendite von zwei bis drei Prozent. Bei einer anhaltend hohen Nachfrage nach Mietwohnungen hilft letztlich nur eine Ausweitung des Angebotes, um die Wohnungsmärkte nachhaltig zu beeinflussen.“

Anleger: Grundstücksangebot muss erhöht werden

Könnten steuerliche Förderungen – etwa über Änderungen bei der Absetzung für Abnutzung (AfA) – zur Verbesserung der Lage beitragen? Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU) schlägt beispielsweise vor, die energetische Gebäudesanierung über eine Sonder-AfA steuerlich zu fördern.
Doch für eine Erhöhung der linearen AfA auf mindestens drei Prozent bzw. die Einführung einer degressiven AfA gibt es unter den institutionellen Anlegern mit jeweils 41,5 Prozent keine klare Mehrheit.

87, 7 Prozent der Befragten Anleger halten es hingegen für sinnvoll, die Ausweisung von Bauland in städtischen Gebieten zu vereinfachen und den sozialen Mietwohnungsbau (50,8 Prozent) zu fördern. 
„Für viele institutionelle Anleger und Projektentwickler stellen die hohen Grundstückspreise in den Metropolen ein gravierendes Problem dar. Betrug früher der Grundstücksanteil an den Erstellungskosten für Neubau noch rund 15 bis 20 Prozent, liegt der Anteil heutzutage bei über 40 Prozent. Wer den Mietwohnungsbau vorantreiben will, muss daher vor allem das Angebot an Grundstücken in den Innenstädten erhöhen“, erläutert Wolfram.

Zur Studie:
Das geht aus der neuen Online-Umfrage unter rund 150 institutionellen Anlegern in Deutschland hervor, die RUECKERCONSULT im Auftrag von Engel & Völkers Investment Consulting durchgeführt hat.
An der Online-Umfrage zu den Anlegekriterien von institutionellen Investoren und Family Offices haben sich insgesamt rund 150 Unternehmen beteiligt. Deutsche Family Offices stellen dabei mit einem Anteil von 23 Prozent die größte Gruppe. Danach folgen deutsche Versicherungen mit einem Anteil von acht Prozent.

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