Immobilienfinanzierung: Den richtigen Anschluss wählen

Sachwerte Top News von Stefan Terliesner

Für weniger wahrscheinlich halten viele Volkswirte eine Leitzinserhöhung der EZB im kommenden Jahr. Zunächst dürfte diese den negativen Einlagenzins für Banken schrittweise von minus 0,4 Prozent auf null anheben; dies ist ein drittes Werkzeug zur Absenkung des Zinsniveaus. Eine echte Zinswende wäre das zwar nicht. Nach Auffassung von Zinsexperte Ahrens müsste dafür ein Niveau erreicht werden, „das wir in früheren Zeiten als normal empfunden haben“; also von etwa 4 Prozent bei 10-jährigen Bundesanleihen.

Aber für Menschen mit hohen Immobilienschulden sind bereits kleine Zinsunterschiede von großer Bedeutung. Und wer die Entscheidungen der EZB und ihre Wortwahl analysiert, erkennt Anzeichen einer Abkehr von der Politik des billigen Geldes. 

Welchen Tipp können Finanzberater nun einem Anschlussfinanzierer geben? Zunächst einmal wird es keinen abrupten Zinsanstieg geben. Das sieht auch Michael Neumann, Vorstand der Dr. Klein Privatkunden AG, so. Er rechnet damit, dass „2017 und 2018 die Zinsen für Immobiliendarlehen auf einem niedrigen Niveau bleiben werden“. Auf längere Sicht geht er von leicht steigenden Zinsen aus. Da gleichzeitig die Zinsen nicht weiter signifikant sinken könnten, würden die meisten Schuldner auf Nummer sicher gehen: Sie wählten für die Anschlussfinanzierung eher lange Zinsbindungen. Damit sei das Zinsänderungsrisiko minimiert. Kreditnehmer, deren Zinsfestschreibung in weniger als fünf Jahren endet, könnten sich die noch niedrigen Zinsen mit einem Vorausdarlehen sichern.  

Individuelle Situation entscheidend

Mutigere Zeitgenossen könnten den Preis für Baugeld täglich im Auge behalten und auf Veränderungen reagieren, meint Neumann. Im Gegenzug lasse sich ein Zeitpunkt wählen, der die besten Konditionen für das individuelle Anliegen sichert. Abschließend erinnert er noch an das Sonderkündigungsrecht für Darlehensnehmer, die ihren Hypothekenkredit vor mehr als zehn Jahren vereinbart haben.

Davon Gebrauch zu machen lohne sich, denn das Zinsniveau heute sei deutlich niedriger als damals. Letztlich hängt die Finanzierungsentscheidung von der individuellen Situation ab. Ob die Zinsen tatsächlich stark steigen und der Kreditnehmer den erhofften finanziellen Vorteil realisieren kann, bleibt abzuwarten. Sie kommt, sie kommt nicht.    

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