Immobilienfinanzierung: Den richtigen Anschluss wählen

Sachwerte Top News von Stefan Terliesner

Die Anzeichen für steigende Zinsen am Kapitalmarkt und damit indirekt auch für Baugeld verdichten sich. Genaueres erfahren Darlehensnehmer und ihre Finanzberater demnächst von der EZB. 

Kommt die Zinswende oder kommt sie nicht?

Kommt die Zinswende oder kommt sie nicht?

Sie kommt, sie kommt nicht … sie kommt, sie kommt nicht … Was wird denn nun aus der seit Jahren angekündigten Zinswende? Das fragen sich viele Immobilienbesitzer mit laufender Finanzierung. Vom Trend bei den Kosten für Baugeld hängt schließlich die Ausgestaltung der Anschlussfinanzierung für die Restschuld ab. Dabei geht es um viel Geld – mitunter um Zehntausende Euro.  

Traum vom süßen Leben

„Schon jetzt lohnt es sich für Darlehensnehmer, an die Zukunft zu denken, da die Zinsen irgendwann wieder steigen werden“, sagt Stephan Scharfenorth, Chef des Baufinanzierungsportals Baufi24.de. Da ist es wieder, das unbestimmte Wort: „irgendwann“. Wirklich hilfreich sind solche Aussagen nicht. In ihrer Verzweiflung mögen einige Schuldner mit dem Gänseblümchen-Orakel liebäugeln: Während sie die einzelnen Blätter aus der Blüte zupfen, denken sie an die mögliche Ersparnis zum Beispiel aus einem kurz vor einer Zinswende vereinbarten Vorausdarlehen und das süße Leben, das damit finanziert werden könnte.

Dann richtet sich die Aufmerksamkeit auf die Spannung, ob das letzte Blütenblatt positiv oder negativ ausfällt. Damit freilich würde die Baufinanzierung zum Glücksspiel. Spätestens jetzt ist es für Finanzberater mit entsprechendem Mandat an der Zeit, mit ein paar Fakten um die Ecke zu kommen. Tatsache ist, dass die US-Notenbank Fed seit Dezember 2015 bereits vier Mal ihren Leitzins erhöht hat. Fed-Chefin Janet Yellen deutete eine weitere Anhebung in diesem Jahr an. „Die Wirtschaft scheint sich nach der Abkühlung im ersten Quartal erholt zu haben“, sagte sie.   

US-Notenbank geht voran

Was die Geldpolitik in den USA mit dem Zinsniveau in Europa zu tun hat, erklärt Ralf Ahrens, Leiter Fixed Income bei Frankfurt Trust, so: „Seit ihrer Gründung hat die EZB mehr oder weniger die gleichen Wege beschritten, die einige Monate oder Quartale zuvor schon die Fed gegangen war.“ Und weiter: „Es ist daher anzunehmen, dass die EZB mit einem gewissen zeitlichen Abstand auch diesmal der Fed folgen wird.“ 

Eine Koordinierung der Geldpolitik sei grundsätzlich wünschenswert. Dazu muss man wissen: Bei freien Märkten lösen Zinsunterschiede zwischen Währungsräumen immer Kapitalströme aus. Die wiederum sind mit Wechselkurseffekten verbunden, was die Güterpreise und damit die Warenströme beeinflusst. Daher haben alle Beteiligten ein Interesse an einem Gleichlauf der Politik.

Also warten auch in Europa irgendwie alle Marktteilnehmer auf eine Zinswende. Das Problem in der Eurozone: Die EZB ist für alle Staaten des Währungsraums zuständig. Und in etlichen von ihnen, darunter Frankreich und Italien, läuft die Konjunktur nicht so gut wie in Deutschland. Schlimmer noch: In Italien mussten sogar wieder Banken mit Steuergeld gerettet werden. Die Divergenz der Volkswirtschaften jedenfalls steht einer deutlich restriktiveren Geldpolitik der EZB entgegen. Denn signifikant höhere Zinsen würden Kredite verteuern und Sparanreize verstärken. In der Folge gingen die Ausgaben für Investitionen und Konsum zurück, das Wachstum würde leiden. So die Theorie.  

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