Gesundheitsausgaben: Anstieg um 30 Prozent in fünf Jahren

Berater von Michael Fiedler

Beitragsanpassungen in der privaten Krankenversicherung bestimmen vor der Bundestagswahl 2017 die Debatte. Doch auch gesetzlich Versicherte geben immer mehr für Gesundheitsleistungen aus. In welchen Bereichen die Selbst- und Zuzahlungen im Vergleich zum Vorjahr gestiegen sind.

Selbstkosten und Zuzahlungen steigen

Gesundheit: Selbstkosten und Zuzahlungen, die von gesetzlich Versicherten zu leisten sind, steigen. Um 30 Prozent in den letzten Jahren. pixabay / rhythmuswege

Beitragsanpassungen in der Privaten Krankenversicherung sorgen eher für Schlagzeilen als insgesamt steigende Kosten im Gesundheitssystem. Ein Grund dafür sind die Anpassungsvorschriften, denen PKV-Anbieter unterworfen sind. So kommt es regelmäßig zu BAP im zweistelligen Prozentbereich.
Doch als Argument, um die GKV als die „bessere Alternative“ gegenüber der PKV darzustellen, sind BAP bei PKV ungeeignet. Denn auch im GKV-Bereich steigen die Kosten massiv und Versicherte müssen Zuzahlungen leisten.

Über die Höhe dieser Zuzahlungen besteht Uneinigkeit. Zwar erfragte die Fraktion der Linken entsprechende Zahlen von der Bundesregierung, doch die konnte „nur“ Datenmaterial liefern, das sich auf Zuzahlungen zu Leistungen der Gesetzlichen Kassen bezieht.
Im Jahr 2016 waren das laut Bundesregierung insgesamt knapp 4 Milliarden Euro. Gerechnet auf alle Versicherten wären das gerade mal 55 Euro pro Person im Jahr. Zu bedenken ist dabei allerdings, dass eben nicht alle Gesundheitsleistungen, die in Anspruch genommen werden, überhaupt im Leistungskatalog der GKV zu finden sind.

Gesundheitsausgaben: Anstieg um 30 Prozent in fünf Jahren

Auf andere Angaben zu Selbst- und Zuzahlungen kommt die bevölkerungsrepräsentative Continentale-Studie 2017. Der Befragung zufolge, zahlten gesetzlich Krankenversicherte durchschnittlich 448 Euro aus eigener Tasche für medizinische Leistungen. 2012 lag dieser Wert noch bei 344 Euro – das entspricht einer Steigerung von 30 Prozent innerhalb von fünf Jahren.

Am häufigsten wird in der Apotheke zugezahlt - 75 Prozent der gesetzlich Versicherten zahlen hier aus eigener Tasche, und zwar im Durchschnitt 153 Euro pro Jahr. Bei Zahnärzten zahlen 59 Prozent der Versicherten selbst etwas dazu, dafür aber deutlich mehr, nämlich 390 Euro.  
Wer beim Heilpraktiker etwas selbst gezahlt hat, hat dort in den vergangenen zwölf Monaten im Schnitt 290 Euro ausgegeben. Für Physiotherapie waren es 144 Euro, im Krankenhaus 139 Euro und beim Haus- oder Facharzt 126 Euro.

Doch die 448 Euro enthalten nicht alle Kosten, für die gesetzlich Versicherte Zuzahlungen leisten müssen. Denn die Studie klammert Zahlungen für Brillen und Sehhilfen aus. Denn es sei bei diesen Ausgaben besonders schwer zu unterscheiden, ob es sich um medizinisch notwendige Ausgaben handelt oder ob es eher um kosmetische und modische Aspekte geht.
Im Bereich Brillen und Sehhilfen haben die Befragten laut Studie in den letzten 12 Monaten 386 Euro gezahlt. In den 448 Euro sind auch nicht die Kosten für Kieferorthopädie nicht enthalten, die meist rückwirkend von den Kassen erstattet werden. 777 Euro beträgt die Eigenleistung der Versicherten in diesem Bereich.

Behandlungsverzicht aus Geldmangel

Dass sie aufgrund der selbst zu tragenden Kosten auf Behandlungen verzichtet haben, geben 32 Prozent der Gesetzlich Versicherten an. Bei Geringverdienern ist dieser Wert erwartungsgemäß höher: 42 Prozent gaben bei der Befragung an, bereits aus Kostengründen auf medizinische Behandlungen verzichtet zu haben.

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