Deutscher Journalistenpreis für fragwürdige Versicherungs-Tipps?

Panorama Top News von Florian Burghardt

In der Endrunde des DJP ist auch ein Artikel nominiert, der dazu aufruft, lieber selbst Geld für Schäden zurückzulegen anstatt Policen abzuschließen. Dazu ein Kommentar von procontra-Redakteur Florian Burghardt.

Die Nominierung des Artikels für den DJP könnte man hinterfragen.

Die Nominierung des Artikels für den DJP könnte man hinterfragen. Bild: Tumisu/Pixabay

Am 28. September wird in Frankfurt am Main der alljährliche Deutsche Journalistenpreis (DJP) für Artikel aus den Bereichen Wirtschaft, Börse und Finanzen verliehen. In den 7 Themenkategorien werden insgesamt 31.000 Euro Preisgeld verteilt. Aus ursprünglich 380 Einreichungen sind 25 Artikel von 40 Journalisten nominiert, darunter Beiträge aus der Welt am Sonntag, der Wirtschaftswoche und dem Handelsblatt.

Mit dabei in der Themenkategorie Bank & Versicherung ist auch der Online-Artikel „Richtig versichert?“ vom Autor Frederik von Paepcke, der am 22.03.2017 auf Perspective Daily veröffentlicht wurde. Darin kritisiert er den, aus seiner Sicht, deutschen Hang zur Überversicherung durch den wir jährlich Prämien in Milliardenhöhe zu viel bezahlen und die vielen Stunden Lebenszeit, die wir durch Beschäftigung mit „überflüssigen“ Versicherungen sinnlos vergeuden.

Fragwürdige Nominierung

Warum die DJP-Jury von Paepckes Artikel als preisverdächtig beurteilt, weiß ich nicht. Punkte könnte es vielleicht für sein innovatives Ausschlussverfahren zur Ermittlung des Versicherungsbedarfs geben. Der Autor und Rechtsanwalt meint nämlich, mit nur zweieinhalb Fragen die sinnvollen von den sinnlosen Versicherungen zu unterscheiden:

  • Bin ich gesetzlich dazu verpflichtet, die Versicherung abzuschließen? (halbe Frage)
         
  • Sichert mich die Versicherung gegen existenzielle wirtschaftliche Risiken ab?
         
  • Ist mein Leben besonders riskant?

Von Paepcke nennt dabei explizit die private Haftpflicht-, die Berufsunfähigkeits-, die Gebäude- und bei viel Eigentum auch die Hausratversicherung. Grundsätzlich erst einmal kein schlechter Ansatz. Denn der Autor möchte damit die Menschen ansprechen, die bei der Auswahl ihrer Versicherungen einen ökonomisch motivierten Entscheidungsfindungsprozess bevorzugen.

Mehr Versicherungen braucht es aus seiner Sicht nicht. Ob von Paepcke damit auch die private Altersvorsorge ausklammert, will ich hier nicht thematisieren, da er in seinem Artikel ausschließlich von Produkten mit Risikobeitrag spricht. Zwar richtet er mit seiner letzten Frage den Blick noch einmal zaghaft auf andere Produkte, die man abschließen könnte, wenn man besonders riskant lebt.

Bereits hier macht der für den Journalistenpreis nominierte Autor aber einen Fehler – dem noch weitere folgen.

Seite 1: Preisverdächtig oder fragwürdig?
Seite 2: Lieber selbst Geld sparen als sich versichern
Seite 3: Versicherung als ökonomischer Ego-Trip

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