Berufsunfähigkeit: Der nächste große Aufreger

Berater Top News von Florian Burghardt, Martin Thaler

Donald Trump wäre stolz: Der letzte Verbraucherschützer-Eklat ist kaum verdaut, da machen schon die nächsten alternativen Fakten zum BU-Schutz die Runde. Als abenteuerlich bezeichnen Vermittler die jüngsten Aussagen eines Experten.

Die Aussagen und Tipps zur BU-Versicherung von iff-Direktor Dr. Dirk Ulbricht lassen gerade einige Vermittler aus der Haut fahren.

Die Aussagen und Tipps zur BU-Versicherung von iff-Direktor Dr. Dirk Ulbricht lassen gerade einige Vermittler aus der Haut fahren. Bild: RobinHiggins/Pixabay

Fachlich falsch und ein Fall für die Beratungshaftung: Erst vor wenigen Tagen hatten die Aussagen eines hochrangigen Verbraucherschützers zur Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) viel Kritik unter BU-Fachleuten ausgelöst. Und sie scheinen derzeit nicht zur Ruhe zu kommen.

Beim besagten Aufreger hatten die Kieler Nachrichten mit ihrem Artikel als Plattform für das zweifelhafte Expertenstatement gedient. Nun hat sich mit der Augsburger Allgemeinen erneut ein Breitenmedium dem Thema Arbeitskraftabsicherung – konkret der BU – angenommen. Zu Wort kommt diesmal Dr. Dirk Ulbricht, Direktor des Instituts für Finanzdienstleistungen e.V. (iff). Laut seiner Internetseite ist es eine der Aufgaben des unabhängigen Vereins, die Interessen von Verbrauchern optimal und wirtschaftlich verantwortlich in der Beziehung zwischen Kunde und Finanzdienstleister aufzuzeigen und einzubringen.

In puncto BU sieht Ulbricht die Absicherung durch Policen als zu teuer erkauft an. "Ob ich die Versicherung wirklich in Anspruch nehmen muss, weiß ich ja gar nicht“, wird der iff-Chef von der Augsburger Allgemeinen zitiert. Außerdem gibt Ulbricht zu Bedenken, dass Betroffene im Fall der Berufsunfähigkeit eine Zeit lang durch das Krankengeld finanziell abgesichert sind. "Oft sind die Betroffenen ja nicht ihr Leben lang nicht mehr in der Lage zu arbeiten, sondern nur zeitweise", so der Volkswirt.

2 x 3 macht 4, widdewiddewitt…

Als Alternative zur teuren BU-Police rät Ulbricht zum Aufbau eines ausreichenden finanziellen Polsters für die Altersvorsorge. Dieses könne entweder planmäßig den Ruhestand finanzieren oder aber im Falle der eingetretenen Berufsunfähigkeit zur Überbrückung dienen. Dazu stellt der iff-Direktor folgende Rechnung auf, mit der er in der Zeitung zitiert wird: "Wenn Sie 24.000 Euro angespart haben, könnten Sie sich zwei Jahre lang jeden Monat 2.000 Euro auszahlen.“

Tatsächlich benötigt man aber, um sich zwei Jahre lang monatlich 2.000 Euro auszahlen zu können, 48.000 und nicht 24.000 Euro. Über diese Milchmädchenrechnung hat sich auf procontra-Nachfrage auch der auf BU-Versicherungen spezialisierte Makler Gerd Kemnitz echauffiert. Auch einige weitere Ratschläge Ulbrichts werden von dem Makler äußerst kritisch betrachtet.

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