Aon: Sach-Gewerbe bleibt Verlustgeschäft

Versicherungen von Florian Burghardt

Die deutschen Versicherer müssen sich auf weiter steigende Verluste in der gewerblichen Sachversicherung einstellen. Das geht aus dem Marktreport 2017 von Aon Risk Solutions hervor. Schlechten Risiken bleibt nur ein Ausweg.

Trotz erwarteter Einnahmensteigerung geht Aon in der gewerblichen Sachversicherung von weiter wachsenden Verlusten aus.

Trotz erwarteter Einnahmensteigerung geht Aon in der gewerblichen Sachversicherung von weiter wachsenden Verlusten aus. Bild: geralt/Pixabay

Aon Risk Solutions hat seinen Marktreport 2017 veröffentlicht. Darin beleuchtet der Dienstleister, der zur Aon Versicherungsmakler Deutschland GmbH gehört, spartenbezogen die Situation auf dem deutschen Versicherungsmarkt. Auf Basis der statistischen Daten des GDV sowie eigener Recherchen und Berechnungen gibt Aon zudem für die 12 untersuchten Sparten einen Ausblick und formuliert zu erwartende Markttrends.

Obwohl der gesamte Komposit-Bereich und im speziellen die Sachversicherung besonders zu Zeiten der Niedrigzinsphase für Versicherer und Vermittler immer wichtiger werden, findet Aon im Bereich der gewerblichen Sachversicherung fast ausschließlich negative Nachrichten für die Branche.

Weiter steigende Verluste

Zwar gehen die Autoren des Marktreports davon aus, dass die gewerblichen Versicherungsnehmer in 2017 für industrielle, gewerbliche und landwirtschaftliche Policen rund 6,5 Milliarden Euro ausgeben werden, was einen Anstieg um drei Prozent bedeuten würde.

Beim Schadenaufwand rechnen die Analysten jedoch ebenfalls mit einem leichten Anstieg auf 91 Prozent (2016: 90 Prozent). In der Folge würde sich eine Schadenkostenquote von 112 Prozent (2016: 111 Prozent) ergeben. In der industriellen Sachversicherung – ohne Gewerbe und Landwirtschaft – werden sogar noch deutlich schlechtere Quoten erwartet.

Schlechte Risiken suchen Schutz im Ausland

Aon geht davon aus, dass sich die Schere zwischen „wünschenswerten und nicht wünschenswerten Betriebsarten“ weiter öffnen wird. Das bedeutet, dass der Wettbewerb um die guten Risiken weiter zunehmen wird und für diese weiter sinkende Beiträge bereithält. Die schlechten Risiken müssen hingegen mit steigenden Preisen und höheren Selbstbehalten rechnen.

Besonders schwere Zeiten kommen laut Aon auf die Holzbranche sowie die fleischverarbeitende und chemische Industrie zu. Hier seien immer noch Nachwirkungen der im letzten Jahr eingetretenen Feuer-Großschäden zu spüren, etwa beim Geflügelschlachter Wiesenhof oder die große Explosion auf dem BASF-Gelände in Ludwigshafen.

In der Konsequenz würden die deutschen Versicherer vermehrt versuchen, die Deckung solcher Risiken zu vermeiden. Aon prophezeit: „Es wird sich der Trend fortsetzen, dass bestimmte Branchen auf internationale Märkte zurückgreifen müssen, um ihren Versicherungsschutz zu vervollständigen.“ Dies sei allerdings auch mit dem Nachteil für die Versicherungsbranche verbunden, dass potenzielle Einnahmen ins Ausland abfließen werden. 

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare