Aon: Für viele Kfz-Versicherer kommt das Aus

Versicherungen von Florian Burghardt

Droht der Kfz-Versicherung ein großes Anbietersterben? Dafür sprechen laut Aon Risk Solutions gleich mehrere Gründe. Wer in den nächsten Jahren mit Kfz noch Geld verdienen will, sollte sich vor allem auf eine Zielgruppe konzentrieren.

Die Autoren des Aon Marktreport 2017 prophezeien für mehrere Versicherer die Aufgabe des Kfz-Geschäfts.

Die Autoren des Aon Marktreport 2017 prophezeien für mehrere Versicherer die Aufgabe des Kfz-Geschäfts. Bild: multifacetedgirl/Pixabay

Wohin entwickelt sich unsere Mobilität und wie kann die Assekuranz darauf reagieren? Klar scheint zu sein, dass die Änderungen drastisch ausfallen werden. Schadenfreiheitsrabatt, Typklassen und Co: Aus Sicht von Experten wird es die Kfz-Versicherung, wie wir sie heute kennen, in Zukunft nicht mehr geben.

Noch etwas drastischer drückt es Hartmuth Kremer-Jensen, Mitglied der Geschäftsführung beim Versicherungsmakler Aon Risk Solutions, aus: "Die Kfz-Versicherung, so wie wir sie heute kennen, wird sterben.“ Der Inhalt dieser Aussage spiegelt sich auch im jüngst veröffentlichten Aon Marktreport 2017 wieder, in dem unter anderem auch auf die Sparten Sachversicherung und Technische Versicherungen eingegangen wird.

Flotten nagen am Kfz-Geschäft

In Bezug auf die Entwicklungen in der Kfz-Versicherung sprechen die Aon-Analysten ganz klar von einem Verdrängungswettbewerb, dem wahrscheinlich einige Anbieter zum Opfer fallen werden. Dafür nennen sie verschiedene Gründe. Zum einen wird das Geschäftsvolumen bei den Privatkunden zurückgehen, weil das eigene Auto durch die gute öffentliche Mobilisierung in Ballungsräumen und Carsharing einen Statusverlust erleidet. Leider ist, laut Aon, gerade das Privatkundengeschäft für den minimalen Gewinn der Kfz-Versicherer im vergangenen Jahr (Schadenkostenquote: 99 Prozent) verantwortlich.

Zum anderen werden die Anbieter – im Zuge des rückläufigen Privatkundengeschäfts – vermehrt um das Kfz-Flottengeschäft konkurrieren. Dies wird sich in sinkenden Prämien in diesem Bereich niederschlagen, heißt es im Marktreport. Allerdings betrug die Schadenkostenquote für Kfz-Flotten in 2016 bereits 107 Prozent. Aon rechnet für 2017 mit einem unveränderten Wert in diesem Bereich. In Zukunft dürfte der Verlust dann aber noch höher liegen, wenn sich die Prognose bewahrheitet.

Langfristig steht alles in Frage

Der Marktreport charakterisiert die Flottenbetreiber als anspruchsvolle Kunden. „Sie fordern von den Versicherern vermehrt Selbstbehaltsmodelle. Teilweise nehmen Unternehmen den kompletten Kaskobereich ihrer Kfz-Flotten ins eigene Risiko oder sichern sich lediglich gegen Hagel oder Diebstahl ab. Auch im Kfz-Haftpflichtbereich wird vermehrt nach Aggregatlösungen oder Einzelselbstbehaltslösungen gefragt. Für die Versicherer führen diese Trends zu niedrigeren Einnahmen“, so die Studienautoren.

Das führt zum besagten Verdrängungseffekt unter den Kfz-Versicherern. Wer den Preiskampf nicht mehr mitgehen kann, muss aufgeben. „Versicherer, die den Flottenkunden in diesen Bereichen Lösungen anbieten können, werden mittelfristig noch auf dem Verdrängungsmarkt der Kfz-Versicherung einen Wettbewerbsvorteil haben“, glaubt man bei Aon.

Doch auf das jetzige teilautomatisierte folgt das hochautomatisierte Fahren. Als weitere Schritte stehen das vollautomatisierte und letztendlich das autonome Fahren. Bei Aon findet man erneut drastische Worte: „Langfristig, wenn die letzte Stufe der oben beschriebenen Automatisierung erreicht ist, wird das gesamte Geschäftsmodell infrage stehen.“

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