Altersvorsorge: Korridor statt Grabenkämpfe

Berater von Michael Fiedler

Rente mit 70, 67 oder 69? Im „Kanzlerduell“ stritten Angela Merkel (CDU) und Martin Schulz (SPD) darüber. Doch statt einem festgeschriebenen Renteneintrittsalter wäre ein flexibler Alterskorridor besser, schlägt das Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA) vor. Wie das funktionieren soll und welche Versäumnisse beim Betriebsrentenstärkungsgesetz gemacht worden.

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Ein Alterskorridor für den flexiblen Renteneintritt - das hält das DIA für besser als eine Festschreibung des Renteneintrittsalters. pixabay / Free-Photos

Jeder sollte selbst über seinen Rentenbeginn entscheiden können, so die Kernforderung des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA). Das versicherungsnahe Institut reagierte damit auf die Kontroverse um die Festschreibung des gesetzlichen Renteneintrittsalters.
  „Anstatt sich in politische Grabenkämpfe über das richtige Rentenalter zu begeben, sollten die politischen Parteien über ein Konzept des Übergangs von der Erwerbsphase in die Rentenzeit nachdenken, dass unserer veränderten Lebenswelt entspricht“, fordert DIA-Sprecher Klaus Morgenstern. „Ein flexibler Alterskorridor mit einer vom Renteneintritt abhängigen Rentenhöhe wäre eine konsequente Weiterentwicklung des schon bestehenden Systems der Zu- und Abschläge in der gesetzlichen Rentenversicherung.“

Korridor ab 2030

Dieser flexible Renteneintritt könnte ab 2030 in Kraft treten, wenn die schrittweise Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre beendet ist, so das DIA.
  „Ob der Korridor bei 60 oder 62 Jahren beginnt und bei 69 oder 70 endet, ist dann erst einmal nebensächlich. Entscheidend ist der Umstieg auf ein System, dass der geänderten Lebenswirklichkeit, die keine starren Erwerbsbiografien mehr kennt, entspricht“, fügt Morgenstern hinzu. „Mit der Flexi-Rente wurde in der ablaufenden Legislaturperiode ein erster Schritt unternommen. Daran sollte nun angeknüpft werden.“

Offene Baustelle: Das Betriebsrentenstärkungsgesetz

Aus Sicht des DIA bringt das neue Betriebsrentenstärkungsgesetz (BRSG) neben einigen Verbesserungen auch offene Fragen mit sich. Eine dieser Baustellen betrifft aus Arbeitgebersicht den Umgang mit Sozialversicherungsbeiträgen. Der Gesetzgeber habe es beim BRSG versäumt, den Zuschuss des Arbeitgebers aus den ersparten SV-Beiträgen zu privilegieren, so Dr. Dirk Kruip, Bereichsleiter Legal bei Willis Towers Watson. Man hätte auch festlegen können, dass die Grenze zur Befreiung von SV-Beiträgen nach oben geschoben wird, wenn vier Prozent der Beitragsbemessungsgrenze bereits mit Zahlungen des Arbeitnehmers ausgeschöpft sind, so Kruip im Gespräch mit dem DIA.

Wird die Freigrenze überschritten, bleiben dem Arbeitgeber nur drei Möglichkeiten, so das DIA:

  1. Auf den übersteigenden Betrag fallen SV-Beiträge an. Das Nettoeinkommen des Arbeitnehmers verringert sich.
  2. Ersparter SV-Beitrag wird in einen anderen Durchführungsweg eingezahlt. Das lässt der Gesetzgeber allerdings nicht zu.
  3. Arbeitgeber verringert seinen Beitrag. Der ursprüngliche Umfang der Altersversorgung bleibt erhalten – ein Ausbau der bAV würde so nicht stattfinden.

Und noch eine Schwierigkeit benennt das DIA. So sei noch völlig offen, wie sich Versicherer verhalten, wenn hochverzinste Altverträge mit dem ersparten Arbeitgeberbeitrag aufgestockt werden sollen. Versicherer würden das i.d.R. nicht zulassen. Bleibt es bei dieser Haltung, könnte eine Vielzahl zusätzlicher Mini-bAV-Verträge entstehen, die letztlich abgefunden würden. Einer Ausweitung der betrieblichen Altersversorgung wie sie der Gesetzgeber anstrebt, stünde dies jedenfalls im Wege, so das Deutsche Institut für Altersvorsorge.

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