Tarifvertrag: Verdi zurück am Verhandlungstisch

Versicherungen von Florian Burghardt

Vor zwei Monaten hatte die Gewerkschaft Verdi die Tarifverhandlungen mit dem AGV für gescheitert erklärt. Gestern beschlossen beide Seiten eine Wiederaufnahme der Gespräche. Eine Einigung erscheint plötzlich in greifbarer Nähe.

Und weiter geht das Kräftemessen zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebervertretern. Auch Verdi ist nun wieder am Verhandlungstisch mit dabei.

Und weiter geht das Kräftemessen zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebervertretern. Auch Verdi ist nun wieder am Verhandlungstisch mit dabei. Bild: RyanMcGuire/Pixabay

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) wird die Verhandlungen über einen neuen Tarifvertrag für die rund 170.000 Angestellten im Versicherungsinnendienst wiederaufnehmen. Weiter geht es am 30. August mit dem insgesamt vierten Termin in München.

Zuletzt hatten Verdi und ihr Verhandlungsgegner, der Arbeitgeberverband der Versicherungsunternehmen in Deutschland e.V. (AGV), zwei Monate lang offiziell nicht miteinander gesprochen. Da der AGV aus Sicht der Gewerkschaft das Erreichen einer Einigung blockieren würde, hatten ihre Vertreter die Gespräche am 2. Juni verlassen und die Verhandlungen für gescheitert erklärt. Die ebenfalls mitverhandelnde Gewerkschaft DHV nannte den Abbruch der Verhandlungen seitens Verdi damals "voreilig und verantwortungslos".

Infolgedessen waren tausende Versicherungsmitarbeiter aus etlichen deutschen Städten bei mehreren Warnstreikwellen auf die Straße gegangen. Zusammen mit Verdi fordern Sie unter anderem eine sofortige Erhöhung der Gehälter um 4,5 Prozent und den Abschluss eines Zukunftstarifvertrags.

Dieser soll die Angestellten besser vor digitalisierungs-bedingtem Stellenabbau schützen, wie er aktuell zunehmend in der Branche praktiziert wird. Beispielsweise will die Allianz Deutschland aufgrund von Digitalisierung und Automatisierung 700 Stellen abbauen, weshalb sich Mitarbeiter des Branchenriesen besonders eifrig an den Streiks beteiligt hatten.

Teilweise Einigung absehbar

In beiden Punkten – Gehaltserhöhungen und Zukunftstarifvertrag – sei nun aber Bewegung beim AGV zu erkennen. Das erklärte Frank Fassin von der bundesweiten Verdi-Pressestelle auf procontra-Nachfrage. Bei der Gewerkschaft geht man davon aus, dass man sich Ende August in einigen Punkten einigen werde.

„Eine Durchsetzung aller von uns geforderten Punkte aus dem Zukunftstarifvertrag sehen wir als langfristiges Ziel. Die Punkte bleiben aktuell. Was wir dieses Mal nicht schaffen, können wir beim nächsten Mal wieder auf den Tisch bringen“, so Fassin. Weitere Streiks wird es bis zum 30. August nicht geben.

Der AGV betonte seinerseits in einer Presseerklärung, dass es Verdi war, die Anfang Juli auf den Arbeitgeberverband zukam und ein Sondierungsgespräch vorschlug. Der Versuch, den AGV durch Arbeitskampfmaßnahmen zu einer Erhöhung seines bisherigen Angebots zu bewegen, sei nicht erfolgreich gewesen. 

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