SPD ruft nach Pflege-Vollkasko

Versicherungen von Florian Burghardt

Die SPD will die gesetzliche Pflegeversicherung nach der Bundestagswahl umbauen. Dadurch könnten für die Bürger die hohen Eigenanteile wegfallen, die durchschnittlich fast 2.000 Euro pro Monat betragen. Die Antwort der Union folgte prompt.

Fordert eine paritätisch finanzierte Pflegeversicherung, die alle Pflegekosten übernimmt: SPD-Gesundheitsexperte Professor Dr. Karl Lauterbach.

Fordert eine paritätisch finanzierte Pflegeversicherung, die alle Pflegekosten übernimmt: SPD-Gesundheitsexperte Professor Dr. Karl Lauterbach. Bild: Picture Alliance

Die bisherigen drei Pflegestufen sind Geschichte, seit dem 01.01.2017 werden pflegebedürftige Menschen in fünf Pflegegrade eingeteilt. Kaum ist der Kerninhalt des Pflegestärkungsgesetzes II (PSG II) in den Köpfen der Menschen angekommen, da spricht die SPD schon von einer Reform der gesetzlichen Pflegeversicherung.  

„Bisher ist die Pflegeversicherung eine Teilkaskoversicherung. Die SPD will in der nächsten Wahlperiode dafür sorgen, dass es auch das Angebot einer paritätisch finanzierten Vollkaskoversicherung gibt“, sagte der SPD-Vizefraktionsvorsitzende und Gesundheitsexperte der Partei, Professor Dr. Karl Lauterbach, gegenüber der Funke-Mediengruppe.

Fifty-Fifty bei den Beiträgen

Durch eine paritätische Aufteilung der Beiträge zur Pflegeversicherung, also zu gleichen Teilen von Arbeitgeber und Arbeitnehmer finanziert, könnten Lauterbach zufolge in Zukunft auch die gesamten Pflegekosten von der Pflegekasse übernommen werden. Die Versicherten sollten frühzeitig wählen können, ob sie sich für oder gegen die etwas teurere Variante entscheiden, die dafür später die kompletten Pflegekosten übernimmt.

Die Bürger müssten dann keinen Eigenanteil mehr zu ihren Pflegekosten beitragen. Dieser Eigenanteil wurde ebenfalls reformiert und wird nun pauschal pro Kopf für alle Bewohner einer Einrichtung ermittelt – unabhängig von deren Pflegegrad. Im bundesweiten Durchschnitt beträgt er 581 Euro. Dazu kommen allerdings noch die Kosten für Unterkunft, Verpflegung, Investitionen, Ausbildung und Zusatzleistungen. Diese variieren laut einer Studie des PKV-Verbands stark und liegen im Bundesdurchschnitt bei 1.696 Euro.

Union wettert dagegen

Die CDU bezeichnete Lauterbachs Vorschlag als „unverantwortlichen Schnellschuss“. Maria Michalk, die gesundheitspolitische Sprecherin der Unionsfraktion, kritisierte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP das SPD-Vorhaben, „sich von den ausgewogenen Grundsätzen der gesetzlichen Pflegeversicherung mit privater Vorsorge verabschieden zu wollen“.

Laut Michalk würde ein freiwilliges Angebot einer paritätisch finanzierten Vollkaskopflegeversicherung zu erheblichen Unsicherheiten in der Beschäftigungspolitik und zu unkalkulierbaren Wettbewerbsnachteilen für die Arbeitgeber führen. Anders als die SPD wolle sich die Union in Zukunft besonders „auf das Vermeiden beziehungsweise Hinauszögern der Pflegebedürftigkeit durch mehr Rehabilitation“ konzentrieren. 

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