Schlüssel-Ärger mit der Hausratversicherung

Berater von Martin Thaler

Ein Einbrecher war mittels des Schlüssels des Besitzers in dessen Wohnung eingestiegen. Vor Gericht ging es nun um die Frage, ob die Hausratversicherung dennoch für den Schaden aufkommen müsse.

Ein gestohlener Schlüssel spielte vor dem OLG Hamm jüngst eine tragende Rolle.

Ein gestohlener Schlüssel spielte vor dem OLG Hamm jüngst eine tragende Rolle. Foto: MabelAmber - Pixabay.de

Muss die Hausratversicherung für einen Einbruch haften, bei dem der Dieb den Schlüssel des Wohnungsbesitzers zum Eindringen in die Wohnung benutzt? Das kommt auf darauf an, wie der Täter zu dem Schlüssel gelangt ist - und hier fangen die Unstimmigkeiten an, ob Fahrlässigkeit vorliegt oder nicht, wie nun das OLG Hamm erfahren musste (Az: 20 U 174/16)    

Was ist passiert?

Eine aus Münster stammende Frau hatte eine Hausratversicherung abgeschlossen. Im Versicherungsschutz inbegriffen waren auch Einbrüche, bei denen der Einbrecher mithilfe des Wohnungsschlüssels in die Wohnung eindringen konnte. Voraussetzung: Der Dieb durfte den Schlüssel nicht aufgrund fahrlässigen Verhaltens des Wohnungsbesitzers erhalten haben.  

Im Juli 2013 war die damals 55 Jahre alte Frau auf dem Rückweg einer Betriebsfeier. Auf einem Fahrrad, das ihr Kollege schob, hatte die Frau ihre Handtasche abgelegt. In dieser befanden sich neben weiteren Wertsachen auch der Wohnungsschlüssel der Frau. Während eines kurzen Halts, in der die beiden Kollegen miteinander sprachen und das Fahrrad abgestellt hatten, blieb die Handtasche unbeachtet – und wurde prompt geklaut.  

Die Frau meldete den Diebstahl sofort bei der Polizei und verbrachte die Nacht bei einer Bekannten. Als sie am nächsten Morgen zu ihrer Wohnung zurückkehrte, war diese vom Dieb mithilfe des entwendeten Schlüssels ausgeräumt worden. Gestohlen wurde unter anderem Schmuck, Laptops und Mobiltelefone im Wert von 17.500 Euro.  

Von ihrer Versicherung verlangte die Frau die Hälfte des von ihr veranschlagten Schadens. Doch die Versicherung lehnte ab. Daraufhin ging der Fall vor Gericht.  

Das Urteil  

Nachdem bereits das LG Münster die Klage der Frau zurückgewiesen hatte, schloss sich auch das OLG Hamm dieser Auffassung an. Es liege kein nach den Versicherungsbedingungen versichertes Ereignis vor, so die Auffassung der Richter. Da die Frau ihre Handtasche mitsamt Schlüssel und Ausweispapieren, aus denen ihre Adresse hervorging, unbeaufsichtigt im Fahrradkorb ließ, habe sie fahrlässig gehandelt. Auch wenn die Frau beim Abstellen des Rads niemanden bemerkt haben will, musste sie mit dem Entwenden der Tasche rechnen – was ja auch geschah. Die Gefahr sei somit für die Frau sowohl erkennbar, als auch vermeidbar gewesen – schließlich habe sie die Tasche ja auch am Körper tragen können. Zudem war sie durch das Gespräch mit dem Kollegen so abgelenkt, dass sie den Diebstahl nicht bemerkte.  

Die Richter befanden, dass die Versicherungsnehmerin den Diebstahl fahrlässig ermöglicht habe. Ein Versicherungsfall liege somit nicht vor. 

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