"PKV-Beiträge werden sich in den nächsten 10 Jahren fast verdoppeln"

Versicherungen von Martin Thaler

Erst in diesem Jahr hatten PKV-Versicherte deutliche Beitragsanpassungen hinzunehmen. Doch damit ist es nicht getan, glaubt SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach. Für Versicherte dürfte es teuer werden.

Sieht PKV-Versicherte in Zukunft mit hohen Kosten konfrontiert: SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (links), hier im Gespräch mit Kanzlerkandidat Martin Schulz.

Sieht PKV-Versicherte in Zukunft mit hohen Kosten konfrontiert: SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (links), hier im Gespräch mit Kanzlerkandidat Martin Schulz. Foto: dpa

Wohin steuert die Private Krankenversicherung? Diese Frage gewinnt nicht nur durch die pünktlich zur nahenden Bundestagswahl pünktlich auftauchende Debatte über die Einführung einer Bürgerversicherung neue Fahrt. Denn auch die Ankündigung aus Hamburg, dass Beamte in Zukunft zwischen privater und gesetzlicher Krankenkasse wählen können, hat das Potenzial, die Branche gehörig durchzuwirbeln – erst recht, nachdem auch andere Bundesländer erklärt haben, das „Hamburger Modell“ prüfen zu wollen. Die Gruppe der Beamten ist einer der Stützpfeiler in der Privaten Krankenversicherung: Sollte sie wegbrechen, stehen die privaten Anbietern vor großen Problemen.  

Doch auch den PKV-Versicherten drohen harte Zeiten – glaubt zumindest der SPD-Parlamentarier Karl Lauterbach, einer der stärksten Befürworter einer Bürgerversicherung. Laut Berechnungen, die er selbst durchgeführt habe, „werden sich in den nächsten zehn Jahren die PKV-Beiträge für Nicht-Beamte fast verdoppeln“, erklärte Lauterbach gegenüber der „Welt am Sonntag“.

Reform-Ansätze der Parteien

Bereits in diesem Jahr hatten PKV-Kunden teils deutliche Beitragsanpassungen hinnehmen müssen, bei einigen Tarifen waren Beitragssteigerungen von bis zu 40 Prozent zu verzeichnen. Lauterbach glaubt, dass sich diese Entwicklung auch in Zukunft fortsetzen wird, laut seinen Berechnungen ist mit jährlichen Beitragsanpassungen zwischen fünf und sieben Prozent zu rechnen.  

Das Thema Krankenversicherungs-Reform steht mehr oder weniger nicht nur bei der SPD auf der Agenda, auch die anderen Parteien beschäftigen sich mit dem Thema. Neben Forderungen nach der Einführung einer Bürgerversicherung soll auch der Wettbewerb zwischen den einzelnen PKV-Anbietern erhöht werden. Ein Wechsel des PKV-Anbieters ist nämlich zumeist immer noch mit einem Verlust der Altersrückstellungen verbunden und somit für die Versicherten wenig reizvoll.

Für eine Reform, dass alle Versicherten diese Rückstellungen mit zum neuen Anbietern nehmen können, sprechen sich beispielsweise die Grünen aus. Aber auch aus der PKV-freundlichen FDP sind erste Töne zu hören, die in eine ähnliche Richtung weisen: „Ich möchte die Unternehmen natürlich nicht in den Ruin treiben, aber es muss Wettbewerb zwischen den Anbietern geben“, erklärte Heiner Garg, FDP-Gesundheitsminister in Schleswig-Holstein gegenüber der „Welt am Sonntag“.

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